Obersteirisches Leitspital: Kritik an Standortwahl von Opposition

Bei einem Lokalaugenschein am Montag beim geplanten Standort des Leitspitals im obersteirischen Bezirk Liezen sprachen sich Landtagsopposition und Bürgerinitiative BISS einmütig gegen die Pläne der Landesregierung aus. Der neue Standort am Westrand des Dorfes Niederhofen im Gemeindegebiet von Stainach sei noch ungeeigneter als der ursprüngliche beim Bahnhof, so Bürgerinitiativen-Obmann Helmut Gassner. FPÖ, Grüne, KPÖ und NEOS forderten einen Stopp und ein neues Herangehen.

red/Agenturen

„Die BISS will einen Stopp und klares Bekenntnis zu Rottenmann als Leitspital im obersteirischen Bezirk Liezen", sagte Sprecher Gassner unweit der Kirche von Niederhofen, unterhalb des möglichen Baugrundstücks, einer pittoresken Blumenwiese an den nördlichen Hängen des Ennstales. „Mehr als drei Jahre lang haben die Spitzen von ÖVP und SPÖ das Sumpfgrundstück am Bahnhof als das beste für das neue Leitspital bezeichnet und viel Geld ausgegeben. Im März wurde dann die Kindesweglegung vollzogen und das Grundstück für ungeeignet befunden. Aber das Drama geht weiter, denn die Wiese westlich der Kirche von Niederhofen ist genauso ungeeignet", sagte Gassner.

Michael Pretzler von der BISS präsentierte eigene Berechnungen und ein Rendering des Spitals auf der grünen Wiese gleich bei der aus dem Jahre 1450 stammenden Rupertikirche. „Wir gehen bei der Recherche wesentlich tiefer als das Land, das behauptet, alles sei bestens geprüft. Die Ergebnisse waren sogar für uns überraschend. Der eigentliche Krankenhaus-Hochbau mit 230 Betten und 300 bis 350 Parkplätzen würde auf einem Grundstück von 5,8 Hektar mit einer starken Hangneigung errichtet. Der Höhenunterschied beträgt 27 Meter. Dadurch würde sich schon der Baugrund von 5,8 auf 5 Hektar reduzieren", so Pretzler. Dazu kommen Auswirkungen auf Landschaft und Ortsbild. Diese seien mit so einer Bebauung völlig ruiniert. Man müsste sich fragen, ob sich eine Bevölkerung so etwas vors Fenster stellen lasse, die Rupertikirche sei im Ennstal ein historisches Juwel. „Eigentlich sehe ich da den Kulturlandesrat sich gemeinsam mit dem Bundesdenkmalamt hier einsetzen", spielte Pretzler auf den früheren Spitals- und jetzigen Kulturlandesrat Christopher Drexler (ÖVP) an.

Mehrere Dinge seien laut Pretzler problematisch: Der Verkehr von Westen solle nicht durch das teils verkehrsberuhigte Stainach rollen, es brauche also eine Abfartsmöglichkeit von der B320, eine Halbanschlussstelle, einen Knoten Stainach Ost. Dazu müsste wohl über Bundesstraße und ÖBB-Trasse gebaut werden. „Hat man sich schon Gedanken gemacht, was da an Grundstückseinlösung erforderlich ist? Diese Gespräche wurden noch nicht geführt.“ Die Anbindung an den öffentlichen Verkehr sei mit einer Entfernung von 1,7 Kilometern vom Bahnhof schlecht, so provoziere man eine fast 100-prozentige Anreise mit Pkw. Zum Zeitplan meinte Pretzler, 2027 wurde als Eröffnungsjahr genannt. Das bedeute ein Höllentempo, nur sechseinhalb Jahre von Entwurf, Planung, Bau, Ausstattung, Probebetrieb und Übersiedlung von den drei Standorten Bad Aussee, Schladming und Rottenmann nach Stainach, solange müssten aber die anderen Standorte aufrechterhalten werden. „Eine Machbarkeits- oder Bebauungsstudie fehlt. Es wird hier mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zum Scheitern kommen", mutmaßte Pretzler.

Opposition will „machbare Lösungen“

FPÖ-Klubchef Mario Kunasek sagte, die BISS „hat etwas getan, was man sich eigentlich von der Landesregierung erwartet, eine Untersuchung hinsichtlich Auswirkungen auf Ortsbild und Umwelt. Die Kosten von 250 Millionen Euro werden sicher nicht eingehalten, und spezielle Wetterlagen im Bezirk verhindern oft Flug und Straßentransport von Kranken", so Kunasek. Das demokratische Votum der Bevölkerung von 67 Prozent bei einer Volksbefragung sei ablehnend gewesen. „Die Lösung kann nur sein: Stopptaste drücken, ein Leitspital aus den drei bestehenden Standorten definieren und die anderen zwei adaptieren", forderte der Klubchef.

Grünen-LAbg. Lambert Schönleitner: „Wir sind skeptisch, das wird schwierig werden. In neun Jahren gab es bisher keinen Fortschritt in der Gesundheitsversorgung. Es sagt ja niemand, es soll nichts passieren. Aber hier werden 300 bis 400 Millionen Euro auf fast sechs Hektar vergraben - Geld, das die Steiermark ohnehin nicht hat. Es ist seltsam, dass man die Landesregierung auf Dinge aufmerksam machen muss wie etwa öffentliche Verkehrsanbindung. Es müssen realisierbare Projekte auf den Tisch."

KPÖ-Klubchefin Claudia Klimt-Weithaler tönte ähnlich: „Ich erwarte eigentlich von der Landesregierung, dass sie sich mit den Dingen so befasst wie die BISS. Es wurden bisher noch keine Kosten genannt, nichts Konkretes außer den 250 Millionen Euro, aber es gibt ja jetzt schon Mehrkosten.“ Da müsse man auch die SPÖ fragen, warum sie immer wieder ihre Meinung ändere. Bundesobfrau Pamela Rendi-Wagner sei ja Ärztin, sie habe gesagt, man dürfe keine Spitäler zusperren. „Wir als Opposition wollen ja keine Spitäler verhindern, wir wollen machbare Lösungen."

NEOS-Klubobmann Niko Swatek sagte, die „positiven Punkte des alten Grundstücks gibt es hier nicht. Rund 20 Minuten Fußmarsch entfernt ist der Bahnhof. Realistisch betrachtet würde man in ganz Österreich kein Krankenhaus bauen, das keine Öffi-Anbindung hat. Mitten im Grünen, am Dorfrand wird gebaut.“ Man wolle 300 Millionen für ein Betonprojekt im Grünen ausgeben, dabei gebe es im Bezirk zu wenig niedergelassene Ärzte bzw. zu wenig Kassenstellen.