Praevenire Gesundheitstage

Onkologie überstand Covid-19 relativ gut

Die Covid-19-Pandemie hat mit den Lockdowns, vor allem dem ersten, auch in Österreich zu einer vorübergehenden Behinderung in der Gesundheitsversorgung geführt. Die Onkologie ist dabei relativ gut über die Runden gekommen. „Wir haben keinen großen Rückstau“, sagte bei den Praevenire Gesundheitstagen der Wiener Onkologe Wolfgang Hilbe (Klinik Ottakring).

red/Agenturen

Ein dramatischer Einbruch bei den Versorgungsleistungen für Krebspatienten mit diagnostizierter Erkrankung und notwendigen Therapien sei jedenfalls nicht eingetreten, erklärte Hilbe. Auch zu einem großen Rückstau an Patienten und medizinischen Leistungen sei es nicht gekommen.

„In der Chemotherapie sind wir mit dem Behandlungsbedarf etwa gleichauf. Auch die Strahlentherapie funktioniert gut. In der Chirurgie gibt es einzelne Operationen, die nachgeholt werden. Aber es war in Wien immer der Fall, dass Patienten mit dringendem Behandlungsbedarf ihre Therapien auch bekommen haben, wenn und wann sie diese benötigt haben“, sagte Hilbe.

Das Problem sei im vergangenen Jahr eher außerhalb der Spitäler gelegen. „Manche Patienten sind mit verdächtigen Symptomen nicht oder erst später zum Arzt gegangen. Mammografien oder Koloskopien wurden verschoben. Die Menschen haben sich nicht zum Arzt getraut“, erklärte Hilbe. „Es war eher ein Problem der frühen Diagnose und der medizinischen Leistungen im Vorfeld des Krankenhauses.“

„Wissenschaft hat uns durch Pandemie gebracht“

In einzelnen Fällen habe man Patientinnen und Patienten gesehen, die mit einer neuen Krebsdiagnose erst in einem späteren Stadium und mit größeren Tumoren als sonst in Therapie gekommen wären. Auch einzelne Blutkrebserkrankungen, zum Beispiel Patienten mit Lymphomen, hätten Diagnosen nicht so früh erhalten wie sonst. Betroffene hätten eben bei Verdachtsmomenten eher länger zugewartet, bevor sie zum Arzt gegangen seien.

Was für die Zukunft zu lernen sei, fasste der Wiener Chirurg Michael Gnant so zusammen: „Die Wissenschaft hat uns durch die Pandemie gebracht. Menschenschutz statt Datenschutz. Und wir brauchen für die Zukunft einen vorausschauenden Plan für solche Ereignisse.“

Im Grunde genommen habe Covid-19 bereits bekannten Reformbedarf im Gesundheitswesen nur noch deutlicher gemacht, betonte Hilbe: „In der Onkologie brauchen wir bessere Netzwerke zwischen Vorsorge, Früh- und Erstdiagnose und Langzeitbetreuung. Patienten mit Krebs leben immer länger.“ Hier müsse die Telemedizin samt Routinekontrollen via Telekonferenz etc., wie sie Covid-19 teilweise notwendig gemacht hätten, weiter verwendet und in die Routine integriert werden. „Hoch spezialisierte Diagnostik wird an Zentren erfolgen, eine Tablette einnehmen, das kann der Patient zu Hause und ohne Spitalsbesuch für eine Routinekontrolle in der Ambulanz.“