Coronavirus

Verstärkte Ungleichheiten für bestimmte Gruppen in Pandemie

Die Coronakrise hat bereits existierende Ungleichheiten in der Gesellschaft vermehrt sichtbar gemacht und davon Betroffene stärker gefährdet als andere. Darin waren sich die Teilnehmer einer Online-Veranstaltung der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) im Rahmen der European Public Health Week am Donnerstag einig. „Die Pandemie hat gezeigt, dass wir mehr vulnerable Gruppen haben als die, an die wir sonst denken“, sagte Ines Stilling, Generalsekretärin im Gesundheitsministerium.

red/Agenturen

Neben Menschen mit Behinderungen, finanziell Ärmeren, Obdachlosen wurden etwa auch alleinerziehende Eltern sowie Personen mit psychischen Problemen oder Migrationshintergrund härter von der Gesundheitskrise getroffen. Bestimmte Gruppen hatten durch ihre Lebens- und Arbeitsumstände ein höheres Risiko einer Ansteckung, erläuterte Stilling. Hinzu kämen bereits existierende Risiken für Vorerkrankungen in diesen Gruppen und daher die Gefahr für einen schwereren Verlauf bei einer SARS-CoV-2-Infektion.

„Die Pandemie hat auch globale Ungleichheiten aufgezeigt“, sagte Stilling. Sie verwies auf den unterschiedlichen Impffortschritt weltweit. Aus allen Problemen müssten in Europa und global gemeinsam Lehren für Gesundheitskrisen in der Zukunft gezogen werden. Es braucht demnach einfachen Zugang zu Telemedizin, Gesundheitseinrichtungen müssen aber in einer Pandemie grundsätzlich offen bleiben. „Wir brauchen so viel Normalität für Kinder wie möglich“, betonte Stilling außerdem.

Die Pandemie sei „eine gute und wichtige Möglichkeit“, um Dinge zu verändern, sagte Ana Sofia Antunes, Staatssekretärin für Menschen mit Behinderung in Portugal, das derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat. Menschen mit Behinderung hätten ein großes Risiko von Isolation in der Pandemie. Digitalisierung, Ausbildung und Beschäftigung seien die wichtigsten Punkte, die nun für diese Gruppe garantiert werden müssten.

Es brauche generell einen fairen Übergang zu einer digitalen und „grünen“ Gesellschaft. Antunes ortete Bereitschaft in den EU-Mitgliedsstaaten, den im März vorgestellten Aktionsplan für ein sozialeres Europa in der Realpolitik umzusetzen. Auch Paula Reid von der Wiener Obdachloseneinrichtung Neunerhaus forderte einen „verstärkten Fokus auf vulnerable Gruppen, während wir uns in der Krise weiterbewegen“. Zugang zu Impfungen und Tests sei wichtig für die Wiederteilhabe an sozialen Aktivitäten und anderen gesellschaftlichen Leistungen.

Kind im Wald mit Teddybär
Die Pandemie verstärkte soziale Unterschiede. Nun brauche es generell einen fairen Übergang zu einer digitalen und „grünen“ Gesellschaft hieß es so bei einer Online-Veranstaltung der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG).
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