WHO-Jahrestagung

Weichenstellungen für Menschen mit Behinderungen

Die WHO-Jahresversammlung, die am Pfingstmontag startet und für eine Woche angesetzt ist, wird sich nicht nur mit der Corona-Pandemie auseinandersetzen. Auf der Agenda stehen auch Weichenstellungen für Menschen mit Behinderungen. So soll eine Resolution zu Gesundheit und Behinderung beschlossen werden, die Menschen mit Behinderungen dieselben Standards bei der Gesundheitsversorgung garantiert wie allen anderen. Auch Indikatoren zur Augengesundheit sollen festgelegt werden.

red/Agenturen

Die Resolution soll anerkennen, dass Menschen mit Behinderungen „wie wir alle Anspruch auf bestmögliche Gesundheitsversorgung haben", erläuterte Johanna Mang, Inklusionsexpertin von „Licht für die Welt", der Fachorganisation für Menschen mit Behinderungen, im Gespräch mit der APA. Das ist im Endeffekt ein Grundsatzbekenntnis der Staaten, wie mit Barrieren im Alltag bei der Gesundheitsversorgung für Menschen mit Behinderungen umzugehen ist, und hilft den Betroffenen, konkrete Maßnahmen auf der Grundlage der Resolution leichter einfordern zu können. „Das heißt jetzt nicht, dass das gleich alles kommt", räumte Mang ein.

Es gehe im Endeffekt um Fragen der Barrierefreiheit, der Verständlichkeit, des Versorgungsangebots und der Leistbarkeit. Ein Beispiel aus Wien: Noch immer sind viele Ordinationen in Wien nicht für alle zugänglich. Problematisch wird es bei vor allem in alten Gebäuden gelegenen Arztpraxen für Rollstuhlfahrer. Oder wenn ein Patient mit einer körperlichen Behinderung ein spezielles Diagnoseverfahren benötigt - beispielsweise eine Magnetresonanztomographie -, ist dann gewährleistet, dass dem Patienten von ausgebildeten Fachkräften geholfen wird, sich richtig auf dem Gerät zu platzieren?

"Ein wichtiger Punkt ist die Ausbildung der Leute im Gesundheitssektor im Umgang mit Menschen mit Behinderungen", sagte Mang. Zum Beispiel das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien-Leopoldstadt habe hier eine Vorreiterrolle inne. Mit der Resolution „Das Recht auf das höchste erreichbare Maß an Gesundheit“ ist die Forderung nach einem Aktionsplan verbunden, mit dem das Recht auf inklusive Gesundheit weltweit umgesetzt werden soll. Auch die Erstellung eines neuen Weltberichts zu Behinderung soll in diesem Zusammenhang beschlossen werden. Der bisher einzige wurde 2011 veröffentlicht und ist damit schlicht veraltet.

Die Jahresversammlung der WHO (WHA) hat darüber hinaus den Beschluss zweier neuer Indikatoren zur Augengesundheit auf der Agenda. Einen betrifft Katarakte bzw. Grauen Star, beim anderen Indikator geht es um Fehlsichtigkeit. Nicht zuletzt die zunehmende Arbeit mit dem Computer hat das Thema Augen immer mehr in den Mittelpunkt gerückt, erläuterte Mang. „Schon ab dem Kleinkindalter wird eine zunehmende Kurzsichtigkeit festgestellt.“ Und Zivilisationskrankheiten wie Altersdiabetes spielen ebenfalls eine große Rolle. Diabetes wirkt sich auf den Augendruck aus und damit auf die Ausbildung auf den Grünen Star. Katarakte - Grauer Star - ist ebenfalls im Steigen begriffen. „Wenn man diese Indikatoren hat und die Länder müssen darüber berichten, dann tun sie auch was zu diesen Themen", sagte die Inklusionsexpertin zur Bedeutung dieser Indikatoren.

Die Chancen, dass es in beiden Bereichen tatsächlich zu Beschlüssen kommt, schätzte Mang als „relativ hoch“ ein. Die Resolutionen haben bereits im Jänner das Executive Board der WHO passiert. Das Board hat durchaus Interesse, nur Themen der WHA vorzulegen, bei denen erfolgreiche Beschlüsse zu erwarten sind. Allerdings wisse man nie, welche Interessen einzelne Staaten verfolgen.

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