Kardiologen

Engmaschige Überwachung bei Krebsbehandlung notwendig

Das Alter belastet das Herz. Genauso tun das mit dem Alter immer häufiger auftretende Krebserkrankungen und dann notwendige Therapien. Eine engmaschige Überwachung auf möglicherweise auftretende Probleme ist auf jeden Fall notwendig, betonten Experten am Dienstag bei einer Online-Pressekonferenz der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG), die in den kommenden Tagen (27. bis 29. Mai) ihre Jahrestagung (online) abhält.

red/Agenturen

„Herz- und Krebserkrankungen stellen die häufigsten Erkrankungen in den Industriestaaten dar. Man hat zunehmend Hinweise dafür, dass sich Tumor- und Herzerkrankungen wechselseitig beeinflussen. So können Tumoren Entzündungsmediatoren produzieren, umgekehrt können bei einer Herzschwäche Entzündungsprozesse das Wachstum von Tumoren fördern“, sagte Jutta Bergler-Klein (MedUni Wien/AKH). So entwickelten offenbar Patienten mit chronischer Herzschwäche doppelt so häufig Krebserkrankungen wie Personen ohne diese Probleme.

Dahinter stecken offenbar auf beiden Seiten Entzündungsprozesse, die sonst nicht bemerkt werden. Die dritte Rahmenbedingung ist eine allfällige Krebstherapie. Seit Jahrzehnten ist die Kardiotoxizität von etablierten und vielfach angewendeten Chemotherapeutika wie sogenannte Anthrazykline, Taxane oder Cisplatin bekannt. Auch eine lokale Strahlentherapie kann Probleme machen. „Eine Kardiotoxizität tritt am häufigsten auf, wenn schon eine vorbestehende Herz-Kreislauf-Erkrankung gegeben ist“, sagte die Expertin, die sich auch mit Kardio-Onkologie beschäftigt. Das ist besonders bei älteren Patienten häufig. Auf der anderen Seite: „Insbesonders junge Patienten mit Krebserkrankungen zeigen in weiterer Folge mit einer Häufigkeit von eins zu zehn auch Herzerkrankungen."

Wichtig wäre laut Jutta Bergler-Klein vor allem eine kardiologische Statuserhebung mit EKG, Ultraschall und Laboruntersuchungen (Tests auf Troponin und BNP als Marker von möglichen Herzmuskelproblemen) vor oder zumindest bei Beginn einer onkologischen Therapie. Gleichzeitig sollte dieses Monitoring längerfristig und engmaschig aufrechterhalten werden.

Die modernen medikamentösen Krebstherapien mit monoklonalen Antikörpern oder Immuntherapeutika (Checkpoint-Inhibitoren) sind zwar insgesamt weniger toxisch als die Zytostatika, doch auch sie können Herz-Nebenwirkungen auslösen. Die Expertin: „Bei den modernen Immuntherapien treten bei rund 30 Prozent der Behandelten Autoimmunnebenwirkungen auf.“ Das kann potenziell auch zu Herzmuskel-, Schilddrüsenentzündungen und ähnlichen für das Herz gefährlichen Problemen führen.

Die bei der Immuntherapie verwendeten Checkpoint-Inhibitoren wirken besonders gut, wenn auf einem Tumor viele sogenannte PD-L1-Oberflächenproteine vorhanden sind. Diese finden sich aber auch auf Herzzellen, was ein Nebenwirkungspotenzial in sich birgt. Der Einsatz der Gentherapie mit CAR-T-Zellen bei hämatologischen Erkrankungen wiederum kann zu einem „Zytokinsturm“ als extreme Entzündungsreaktion führen, was das Herz ebenfalls belasten kann. Diese Therapien sind gegen Krebserkrankungen hoch wirksam und haben deutliche Verbesserungen in der Onkologie gebracht, doch auch hier sollte auf möglicherweise entstehende Herzprobleme geachtet werden.

Fernüberwachung in der Herzschrittmachertherapie, Robotik und künstliche Intelligenz zur Datenanalyse sind ein weiteres Thema der Tagung. Diana Bonderman, Leiterin der kardiologischen Abteilung an der Klinik Favoriten in Wien schilderte eine Entwicklung: „Roboter wurden in der Gefäßchirurgie bereits eingeführt. In der Kardiologie gibt es eine ähnliche Entwicklung. 2018 hat man in Indien mit einer solchen Herzkathetertechnik bereits aus einer Distanz von 20 Meilen (Patienten; Anm.) Stents implantiert. (...) Wir sind in der Science, nicht mehr in der Science-Fiction angelangt."