Coronavirus

Österreich kehrt immer mehr zur Normalität zurück

Die Österreicher dürfen aufatmen: Die Corona-Schutzmaßnahmen werden in den kommenden Wochen zurückgefahren. Ab 10. Juni braucht man im Freien nirgends mehr Maske zu tragen, es dürfen sich wieder mehr Personen treffen, auch im Gasthaus - und die Sperrstunde wird von 22 auf 24 Uhr verlängert. Die 20-Quadratmeter-Regel in Handel und bei Freizeitaktivitäten wird auf zehn pro Kunde reduziert. Bei Veranstaltungen dürfen die Sitzplätze zu 75 Prozent (statt 50) belegt werden.

red/Agenturen

Am 1. Juli folgen dann weitere Lockerungen, etwa bei der Maskenpflicht im Inneren. Auf diesen Öffnungsplan in einem Drei-Wochen-Abstand hat sich am Freitag die türkis-grüne Bundesregierung mit den Bundesländern geeinigt. Entsprechend zufrieden reagierten die Landeshauptleute. Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) etwa sah einen Schritt in Richtung „kontrollierter Normalität“.

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) freute sich über das Ende der Maskenpflicht im Freien. Dieses bringe „bei den zahlreichen Prozessionen, Umzügen und Aufführungen in unserem Land wieder ein Stück mehr Normalität zurück“. Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) freute sich für die vielen Ehrenamtlichen und die Vereine, etwa Musikkapellen oder Chöre: „Es war lange genug in unserem Land still.“

Die Lockerungen ab 10. Juni sehen vor, dass in der Gastronomie künftig acht Personen indoor und 16 outdoor plus Kinder zusammenkommen dürfen, der Mindestabstand gegenüber anderen Gruppen sinkt von zwei auf einen Meter. Außerdem fällt die Maskenpflicht im Freien in allen Bereichen, also auch bei Veranstaltungen und für Kellner.

Die Teilnehmerobergrenzen für die Kultur (1.500 indoor, 3.000 outdoor) bleiben im ersten Schritt noch. Die Auslastung darf aber 75 statt wie bisher 50 Prozent betragen. Gelockert werden die Einreisebestimmungen, „Pre Travel Clearance“ ist nur noch für Hochinzidenz- und Virusvariantengebiete notwendig, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) in einer Pressekonferenz nach den Gesprächen. Busreisen werden unter den 3-G-Regeln ohne weitere Einschränkungen zu 100 Prozent möglich sein.

Am 1. Juli folgen weitere Lockerungen

Im zweiten Schritt sollen dann weitgehende Freigaben kommen. „Mit 1. Juli kann geheiratet und gefeiert werden“, versprach Kurz, auch Geburtstagsfeste und Großveranstaltungen sollen dann möglich sein. Die 3-G-Regel - getestet, genesen, geimpft - soll als Grundvoraussetzung aber aufrecht bleiben. Auch die Maskenpflicht werde man weiter reduzieren, im öffentlichen Personenverkehr und Teilen des Handels soll sie aber bleiben.

Außerdem wird ab Juli die Testpflicht bei Kindern von derzeit zehn auf zwölf Jahre angehoben. Begründet wird das mit der erst ab diesem Alter verfügbaren Impfung. Eltern mit jüngeren Kindern will man die regelmäßigen Tests in den Ferien ersparen.

Wie Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) erklärte, sollen dann auch die Publikumsobergrenzen für Kultur, Freizeit und Sport fallen. Kurz zeigte sich über all das erfreut: „Wir halten somit das Versprechen, dass wir bis zum Sommer zur Normalität zurückkehren können.“ Man werde dabei aber nicht leichtsinnig und übermütig werden, sondern immer nur so viel Freiheit erlauben wie möglich.

Mit Anfang Juli sollen bereits fünf Millionen Menschen geimpft sein. Damit wird sich auch der Bedarf nach Tests reduzieren. Derzeit bleibe das breite Testangebot aber noch erhalten, sagt Kurz. Die genauen Regelungen für den Sommer werden erst beschlossen, bis dahin will man die Entwicklung beobachten. Angedacht ist jedenfalls, dass auch die Nachtgastronomie wieder öffnen kann.

Mückstein propagiert Impfungen

Die Regierung erwartet sich von den anstehenden Lockerungen eine Entspannung am Arbeitsmarkt, wie Kurz betonte. Seit den Öffnungen am 19. Mai konnten bereits 19.000 Arbeitslose in Beschäftigung gebracht werden. Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) zeigte sich erfreut über die hohen Buchungszahlen im Tourismus und die sinkenden Arbeitslosenzahlen. Einziges Sorgenkind bleibe der Städtetourismus.

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) appellierte an die Bevölkerung sich impfen zu lassen, denn damit schütze man nicht nur sich selbst, sondern auch jene, die nicht geimpft werden können.

Freudig aufgenommen wurde das Zurückfahren der Maßnahmen in den betroffenen Branchen. „Das sind gute Nachrichten für die heimische Wirtschaft, da die stationären Geschäfte von den Lockerungen stark profitieren werden“, sagte etwa der Geschäftsführer des Handelsverbandes, Rainer Will. „Jeder Schritt zurück zur Normalität ist eine positive Nachricht für den Handel“, sagte WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik.

Opposition ein wenig gespalten

Differenziert reagierte die Opposition. Während SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner weiter zur Vorsicht mahnte und die NEOS die Lockerungen begrüßten, zeigte sich FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl unzufrieden. Der Kanzler und seine Minister hätten wie Feudalherren den Österreichern „gnädigerweise einen kleinen Teil der ihnen ohnehin zustehenden Freiheiten zurückgegeben“, so Kickl.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt“ sagt Rendi-Wagner Ja zu weiteren Lockerungsschritten, aber immer mit größter Vorsicht statt mit Übermut: „Denn diese Pandemie ist noch nicht vorbei.“ NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker begrüßte die Lockerungsschritte, zeigte aber Unverständnis dafür, dass man weitere zwei Wochen damit warte.

 

Österreich Rot-Weiß-Rot Luftballon
Langsam aber sicher kehrt in Österreich wieder Normalität ein.
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