Hacker rechnet mit ruhigem Covid-Sommer und warnt vor Herbst

Man könne nicht so tun, „als wäre die Epidemie jetzt vorbei“, warnte der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) am Montag im Ö1-Morgenjournal. Über den Sommer rechne er mit einem sehr ruhigen Covid-Verlauf. „Aber am Ende des Sommers und dann im Herbst kann diese neue, indische Variante die Zahlen extrem nach oben treiben, wenn wir keine Durchimpfung bis über 80 Prozent der gesamten Bevölkerung bis zum Herbst zustande bringen.“

red/Agenturen

Hacker verwies auf eine Wiener Modellrechnung, die am Samstag von der APA publiziert worden war. Demnach könne es im Oktober oder November „noch einmal einen dramatischen Anstieg geben“, interpretierte er die Daten. „Wir feiern uns schon wieder einmal viel zu früh ab, so als wäre es schon erledigt, aber wir sind weit entfernt von erledigt“, warnte der Stadtrat. „Ein bisschen über 40 Prozent der Bevölkerung“ habe die erste und die Hälfte davon der zweite Impfung. Man könne sagen, „wir haben einen guten Impfstart hingelegt, aber wir sind noch lange nicht fertig mit der Pandemie“.

Überlegungen, durch eine Kostenpflicht für Corona-Tests Impfunwillige umzustimmen, kann er vorerst nichts abgewinnen. Das Testen müsse auch auf hochqualitativer Ebene beibehalten werden. „Wir haben wieder am Wochenende 80.000 Tests gemacht mit PCR und noch einmal so viele mit Antigen-Tests.“ Dieses Niveau „werden wir auf jeden Fall aufrechterhalten müssen in den Herbst“. Er begrüßte, dass viele Bundesländer dabei seien, ebenfalls auf ein „Alles gurgelt"-Projekt zu setzen, sowie Aussagen von Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne), die Gratis-Tests vorläufig nicht einzuschränken. „Wir sehen ja jetzt schon in Großbritannien, dass die indische Mutation die britische verdrängt, beziehungsweise schon verdrängt hat. Wir wissen aus der Erfahrung des heurigen Jahres, wie lang es dauert, bis eine solche Mutation aus Großbritannien bis Zentraleuropa kommt.“ Ohne Testprogramm im Herbst würden man dies „erst bemerken, wenn die Leute dann wieder erkranken“.

Zur für den 4. Juni (Freitag) angekündigten Einführung des Grünen Passes in Österreich meinte Hacker, noch seien viele Fragen offen. Er erwartet eine Entwicklung „Schritt für Schritt“, keinen Start „mit vollem Karacho“, sagte er und verwies auf den „sehr großen Programmieraufwand“ sowie auf „viele Tausend Fehleinträge“ im E-Impfpass, die erst korrigiert werden müssten. Somit könne es vielleicht „in einem kleinen Bereich“ losgehen, „aber vollends zufriedenstellend wird das sicher noch einige Wochen dauern“.

Zu seiner Forderung, die Reha-Kosten für die Corona-Langzeitfolgen Long Covid solle die Sozialversicherung bezahlen, sagte Hacker, etwa zehn Prozent der Corona-Kranken seien Betroffene, die derzeit in Akut-Spitälern versorgt würden. „Aber das kann nur für die Startphase brauchbar sein. Das ist auch der Grund, warum wir in Wien über hundert Patienten im Spital haben.“ Die künftigen Kosten für Long Covid seien noch nicht abschätzbar. Jetzt müsse der Reha-Plan, der bis 2025 gilt und in dem Covid noch nicht vorkommt, rasch überarbeitet werden.

Die Ankündigung von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP), Impfstationen in Schulen und mobile Impfteams einzurichten, sei ein sehr guter Vorschlag. Wien habe allerdings den Ehrgeiz, die Schülerinnen und Schüler noch vor dem Schulstart im Herbst zu impfen, und im Sommer seien die Schulen ja geschlossen. „Aber wir sehen, wie weit wir dann kommen“ und „zumindest als Ergänzung im Herbst“ könne er sich das vorstellen.