OECD empfiehlt der Welt breites Impfprogramm und Wirtschaftshilfen

Das weltweite Wirtschaftswachstum dürfte heuer rund 5,75 Prozent, nächstes Jahr rund 4,5 Prozent betragen, erwartet die OECD. Das ist deutlich mehr als vor sechs Monaten erwartet. Allerdings gebe es in der Prognose noch viele Unsicherheiten. Die Politik sei aufgerufen, Impfkampagnen möglichst schnell weltweit auszurollen. Auch solle weiter großzügig Geld in Wirtschaft und Haushalte gepumpt werden, die Verschuldung solle erst wieder bei stabilem Wachstum im Mittelpunkt stehen.

red/Agenturen

Impfungen würden Leben retten, Einkommen sichern und die negativen Auswirkungen der Maßnahmen gegen die Coronapandemie begrenzen, argumentiert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrer Halbjahresprognose. Es brauche stärkere internationale Anstrengungen, damit auch Niedrigeinkommensländer Impfprogramme fahren können - „zu ihrem eigenen Nutzen und zum Nutzen der ganzen Welt“. Wenn nicht rasch geimpft werde, drohten neue Virus-Mutationen, die überall wieder härtere Lockdowns nötig machen würden.

Die reicheren Länder sollten weiter großzügig Geld in die Wirtschaft pumpen, „ein vorübergehendes Überschießen der Gesamtinflation sollte dabei zugelassen werden“, meint de OECD. Corona-Hilfen sollten fließen, bis Impffortschritte eine deutliche Lockerung der Beschränkungen für körpernahe Dienstleistungen ermöglichen. Der Schwerpunkt sollte auf Zuschüsse und Eigenkapital anstelle von Krediten gelegt werden. Außerdem brauche es höhere öffentliche Investitionen in das Gesundheitssystem sowie in die Digital- und Energie-Infrastruktur.

Ein Unsicherheitsfaktor ist, wie rasch die Menschen in den reicheren Ländern ihre in der Pandemie angehäuften Ersparnisse wieder ausgeben. „Da es sich um hohe Beträge handelt, würde bereits ein Bruchteil der „überschüssigen“ Ersparnis ausreichen, um das BIP-Wachstum deutlich zu erhöhen, was unter dem Einfluss rückläufiger Kapazitätsüberhänge den Preissteigerungsdruck vergrößern würde“, schreibt die OECD.

Viele Schwellen- und Entwicklungsländer seien von der Pandemie besonders hart getroffen worden und hätten im Ausland erhebliche Kredite aufnehmen müssen. Damit seien in diesen Ländern Staats- und Unternehmensverschuldung ein noch größeres Problem geworden. Zwar haben die öffentlichen Gläubiger der G20-Staaten die Schuldendienstverpflichtungen ärmerer Länder vorübergehend ausgesetzt, aber „ohne Schuldenerlasse wird es in den kommenden Jahren wahrscheinlich in einigen aufstrebenden Volkswirtschaften und Entwicklungsländern zu einer Schulden-Umstrukturierung kommen“, mahnt die OECD. Die G20-Länder sollten sich weiter um eine „Lösung der Schuldenprobleme von Schwellen- und Entwicklungsländern“ bemühen.