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Psychische Gesundheit bei Jugendlichen: Kampagne und Volksbegehren

Mit einer Kampagne und einem Volksbegehren will die Initiative „Gut, und selbst?“ das Thema Psychische Gesundheit bei Jugendlichen in den Mittelpunkt rücken. Gefordert werden unter anderem ein Ausbau des Supportpersonals (etwa Sozialarbeiter, Psychologen, Psychotherapeuten) an Schulen und die Integration des Themas in den Unterricht. Das Volksbegehren kommt bis jetzt auf mehr als 20.000 Unterstützungserklärungen und kann von 2. bis 9. Mai unterzeichnet werden.

red/Agenturen

Der Name der Initiative leitet sich aus der häufig nur pro forma gegebenen Antwort auf die häufige Frage „Wie geht's dir?“ ab. „Die Antwort muss aber nicht immer 'Gut, und selbst?' sein“, meinte die stellvertretende Obfrau der ÖVP-nahen Schülerunion, Mira Lobnig, bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Man wolle das Thema psychische Gesundheit endlich enttabuisieren.

„Wenn ich Zahnschmerzen habe und deswegen zur Zahnärztin gehe, ist es das Normalste der Welt. Wenn es mir aber psychisch nicht gut geht und ich zum Psychologen gehe, werde ich schräg angesehen“, so Lobnig. Das soll sich grundlegend ändern. „Die psychische Gesundheit darf nichts sein, was wir klein reden oder wofür wir uns schämen. Darüber sprechen, wie über Kopfweh. Betroffenen helfen, wie nach einem Sturz.“

Die psychische Belastung bei den Jugendlichen sei „wahnsinnig hoch“, meinte Christoph Pieh, Professor für Psychosomatische Medizin und Gesundheitsforschung an der Donau-Uni Krems. Deshalb brauche es einen Masterplan, der sämtliche Bereiche von der Prävention über den ambulanten Bereich bis hin zum stationären Setting umfasse. Dabei müsse nicht jedem psychischen Problem mit einer Behandlung entgegengewirkt werden. Oft wirke bereits das bessere Verständnis der eigenen Situation entängstigend, auch Maßnahmen wie Bewegungstherapie bei Depressionen würden gut helfen.

„Sie brauchen Unterstützung“

Kathrin Sevecke, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Kinder und Jugendpsychiatrie (ÖGKJP), ortete seit Beginn der Pandemie eine Zunahme von selbstverletzendem Verhalten, Essstörungen sowie Suizidgefährdung bei Jugendlichen. Trotzdem sei die junge Generation keineswegs eine verlorene, betonte Barbara Haid vom Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie (ÖBVP). „Aber sie brauchen Unterstützung, und die brauchen sie jetzt.“ Diese könne wiederum am besten im Lebensraum der Jugendlichen erfolgen - und das sei nun einmal zu einem großen Teil die Schule.

Neben mehr Supportpersonal an Schulen und der Einbindung in die Lehrpläne will die Initiative das Thema Psychische Gesundheit auch in der Lehrerausbildung sowie der Weiterbildung der Pädagoginnen und Pädagogen verpflichtend verankern. Das Thema müsse auch gleich beim ersten Elternabend des Schuljahrs behandelt werden.

Das Volksbegehren kann von 2. bis 9. Mai unterzeichnet werden. Ab 100.000 Unterschriften muss sich das Parlament mit den Anliegen auseinandersetzen. Das Ergebnis dafür setzt sich zusammen aus den bereits gesammelten Unterstützungserklärungen und dann den in der Eintragungswoche abgegebenen Unterschriften. Stimmberechtigt ist, wer am letzten Tag des Eintragungszeitraumes (aktuell also am 9. Mai) 16 Jahre alt, nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen und in einer Wählerevidenz eingetragen ist.

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