Ukraine

Heimische Gesundheitssysteme auf Vertriebene vorbereiten

Mit der anhaltenden Fluchtbewegung seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine rückt in Österreich neben Ersthilfe und Unterbringung auch die medizinische Versorgung der Kriegsvertriebenen in den Fokus, die Behörden treffen Vorkehrungen. „Es ist jetzt wesentlich, die Gesundheitssysteme auf die Behandlung ukrainischer Patientinnen und Patienten vorzubereiten, inklusive psychologischer Betreuung“, hieß es dazu zur APA aus dem Gesundheitsministerium.

red/Agenturen

Bei Infektionskrankheiten müsse man besonders auf „die hohe Prävalenz von HIV und Tuberkulose sowie Hepatitis C und Polio“ achten. „Zum einen muss die Behandlung der betroffenen Personen sichergestellt werden, zum anderen müssen Aufnahmezentren sowie Krankenhäuser und das Gesundheitspersonal auf diese Herausforderungen hingewiesen werden. Entsprechende Informationen und Empfehlungen wurden bereits an die zuständigen Stellen übermittelt“, hieß es.

„Auch im Hinblick auf die Verbreitung von Covid-19 werden alle notwendigen Vorkehrungen getroffen“, wurde betont. Das Nationale Impfkomitee (NIG) hat eine Impfempfehlung für Schutzsuchende aus der Ukraine sowie das Betreuungspersonal vorgelegt. „Besonderes Augenmerk wird neben der Covid-19-Impfung auf Masern, Diphtherie-Tetanus-Polio und Meningokokken gelegt."

Laut WHO lagen die Durchimpfungsraten bei Masern in der Ukraine 2019 bei 93 Prozent (1. Impfung) bzw. 92 Prozent (notwendige 2. Impfung). Zuvor, zum Beispiel 2016, waren sie deutlich niedriger (42 Prozent 1. und 31 Prozent 2. Impfung), 2018 und 2019 sei das Land von massiven Ausbrüchen betroffen gewesen. Die Polio-Durchimpfung für die 3. Dosis lag laut der Weltgesundheitsorganisation bei 80 Prozent im Jahr 2019. Bei Covid-19 dürften sie unterschiedlichen Berichten zufolge „unter 40 Prozent“ rangieren, so die Experten des Gesundheitsressorts.

Hotspot bleibt der Wiener Hauptbahnhof

„Gesamt wurden seit Beginn des Krieges mehr als 55.000 aus der Ukraine Vertriebene mit den ÖBB befördert“, zog indes Sprecherin Gabi Zornig im APA-Gespräch neue Zwischenbilanz. Am Mittwoch waren dies in rund 50 Zügen etwa 3.500 Betroffene über den gesamten Tag verteilt, etwas weniger als zuvor und deutlich weniger als am Wochenende, als von Samstag auf Sonntag rund 5.000 Kriegsvertriebene von den ÖBB befördert worden waren, und von Sonntag auf Montag dann erneut rund 4.800.

Die meisten Menschen kommen in Zügen aus Ungarn (Budapest), Tschechien (Prag) und der Slowakei, stark besetzt ist auch täglich um 19.49 Uhr der Zug aus Przemysl (Polen). Durch die Vorausinformation des Zugpersonals an der österreichischen Grenze wissen die ÖBB meist ziemlich genau, wohin die Kriegsvertriebenen wollen: „Nach wie vor reisen rund 80 Prozent weiter nach Deutschland, Frankreich, in die Schweiz oder Italien, entweder direkt oder nach Umstieg in Österreich."

Hotspot bleibt der Wiener Hauptbahnhof. Die Nacht auf Donnerstag verbrachten dort etwas mehr als 100 Personen im Caritas-Warteraum bzw. in der seit kurzem dafür geöffneten ÖBB-Lounge und den allgemeinen Wartebereichen auf dem da an sich gesperrten Areal. Diesen Menschen sei es wichtig zu bleiben, um möglichst rasch in der Früh weiterzureisen. Die Stadt Wien habe nach Abfahrt des letzten Zugs - der Verstärkerzug nach München verkehrt seit dem Wochenende, um die zuvor ständig überfüllte Verbindung von Budapest nach Bayern zu entlasten - die meisten Betroffenen mit Bussen in Unterkünfte gebracht. Beim Transport unterstützt nunmehr auch der ÖAMTC, der als Überbrückungshilfe in Absprache mit der Caritas einen Shuttledienst für Kleingruppen ins Aufnahmezentrum der Stadt Wien in der Engerthstraße eingerichtet hat. Das Angebot richtet sich speziell an Menschen, die mit Babys oder Rollstuhl etc. ankommen und deswegen nicht gut die öffentlichen Verkehrsmittel nützen können.

Insgesamt habe sich die Lage am Hauptbahnhof gegenüber Spitzenzeiten wie am Wochenende zumindest vorerst entschärft, so die ÖBB, nicht zuletzt durch die neu geschaffenen Versorgungsmöglichkeiten, wie etwa auch das Caritas-Tageszentrum am Erste Bank Campus. Und auch für das „Klo-Problem“ am Bahnhof sei eine Lösung gefunden worden. Eine komplette Öffnung wurde aus Sicherheitsbedenken verworfen, der private Betreiber stellt nunmehr permanent zwei Mitarbeiter ab, die für einen raschen und kostenlosen Zugang für die Menschen auf der Flucht sorgen sollen.

Impfempfehlungen für bestimmte Personengruppen: http://go.apa.at/mS8n8yNB)