| Aktualisiert:
Adipositas

WHO: Übergewicht in Europa erreicht "epidemische" Ausmaße

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt Alarm wegen zahlreicher Todesfälle in Europa infolge eines „epidemischen“ Ausmaßes an Übergewicht und Fettleibigkeit. Wie die WHO Europa in einem am Dienstag vorgelegten Bericht darlegt, stieg der Anteil der Fettleibigen in ihrem Zuständigkeitsbereich in den vergangenen fünf Jahrzehnten um 138 Prozent. Damit seien mittlerweile fast ein Viertel der Erwachsenen in Europa deutlich zu dick.

red/Agenturen

„Übergewicht und Fettleibigkeit haben in der Region epidemische Ausmaße angenommen und nehmen immer noch weiter zu“, warnte die WHO. „Ein erhöhter Body-Mass-Index ist ein starker Risikofaktor für nicht ansteckende Krankheiten, darunter Krebserkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, hob der WHO-Chef für Europa, Hans Kluge, in dem Bericht hervor. Die WHO Europa, die ihren Sitz in Kopenhagen hat, ist zuständig für 53 Länder und Gebiete nicht nur in Europa, sondern auch in Zentralasien.

Der Bericht nennt Fettleibigkeit als eine Ursache für mindestens 13 Arten von Krebs. Wahrscheinlich seien jährlich mindestens 200.000 Krebserkrankungen auf diesen Faktor zurückzuführen. In den kommenden Jahren werde diese Zahl voraussichtlich weiter steigen. Die WHO führt insgesamt mehr als 1,2 Millionen Todesfälle pro Jahr in der Europa-Region auf Übergewicht und Fettleibigkeit zurück. Dies sei ein Anteil von mehr als 13 Prozent an den jährlichen Todesfällen in der Region.

Die neuesten umfassenden Daten zu Übergewicht im Zuständigkeitsbereich der WHO Europa stammen aus dem Jahr 2016. Demnach waren 59 Prozent der Erwachsenen und fast ein Drittel der Kinder - 29 Prozent der Jungen und 27 Prozent der Mädchen - übergewichtig. 1975 hatte die Rate bei den Erwachsenen noch bei 40 Prozent gelegen.

Österreich: leicht unter dem Durchschnitt

Österreich lag bei den Erwachsenen leicht unter dem Durchschnitt der Region. Dafür klafften die Unterschiede zwischen Frauen und Männern deutlich auseinander: Der Wert der Frauen lag bei 46,8 Prozent, der der Männer bei 61,8 Prozent. Die aktuellsten europäischen Vergleichswerte dazu stammen nach WHO-Angaben aus dem Jahr 2016.

Bei Kindern von fünf bis neun Jahren sind laut WHO 28,1 Prozent übergewichtig oder gar adipös, was leicht unter dem Europaschnitt von 29,5 Prozent lag. In der Kategorie der Zehn- bis 19-Jährigen sind es 25,8 Prozent - leicht über dem Europaschnitt von 24,9 Prozent. Der Trend der Erwachsenen setzte sich auch bei Kindern und Jugendlichen fort: Buben haben deutlich häufiger mit Übergewicht oder Adipositas zu kämpfen als Mädchen.

Corona-Pandemie verstärkte Trend

Als zusätzlichen Faktor für die Zunahme von Übergewicht nannte die WHO die Corona-Pandemie. So hätten Lockdown-Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie zu einer ungesunden Ernährung und einer bewegungsarmen Lebensweise beigetragen.

Zugleich habe die Pandemie die gesundheitlichen Risiken von Übergewicht einmal mehr deutlich gemacht, hob Kluge hervor. „Fettleibige Menschen hatten ein höheres Risiko, ernste Folgen des Covid-19-Spektrums zu erleiden, darunter Einweisungen auf die Intensivstation und Tod“, führte der WHO-Europa-Chef aus.

Die WHO rief die Politik zum Handeln auf. So seien eine Besteuerung von gezuckerten Getränken und Subventionen für gesunde Lebensmittel sinnvoll. Außerdem solle die Vermarktung ungesunder Produkte bei Kindern eingeschränkt werden. „Politische Maßnahmen, die bei der gesamten Bevölkerung auf umweltbedingte und wirtschaftliche Faktoren für schlechte Ernährung abzielen, sind wahrscheinlich am effektivsten bei der Eindämmung der Fettleibigkeitsepidemie“, erklärte die WHO.

WEITERLESEN:
Übergewicht
Fettleibigkeit gilt als Risikofaktor für diverse Krankheiten - darunter Krebs, chronische Atemwegserkrankungen, Schlaganfälle und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leber-und Nierenbeschwerden, aber auch mentale Probleme und Rückenschmerzen.
Pixabay