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Steinhart neuer Wiener Ärztekammerpräsident

Der bisherige Vizepräsident Johannes Steinhart ist neuer Präsident der Wiener Ärztekammer. Die Vollversammlung der Standesvertretung hat ihn am Dienstag mit 62 von 81 abgegebenen Stimmen gewählt. Er löst damit Thomas Szekeres ab, der dieses Amt seit 2012 innehatte. Auch die jeweiligen Kurienvorsitzenden wurden bestimmt: Neuer Obmann der Kurie angestellte Ärzte ist Stefan Ferenci, zum neuen Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte wurde Erik Randall Huber gewählt.

red/Agenturen

Johannes Steinhart war aus der Wahl am 19. März mit seiner ÖVP-nahen „Vereinigung österreichischer Ärztinnen und Ärzte - Liste Steinhart“ als stimmenstärkste Fraktion hervorgegangen. Danach gelang es ihm, eine Koalition aus acht Fraktionen zu bilden. Damit ist nach vielen Jahren wieder ein niedergelassener Arzt Präsident der Ärztekammer für Wien.

Dringend anstehende Reformen

Gesundheits- und standespolitisch möchte sich Steinhart in seiner neuen Position als „Interessenvertreter aller Kolleginnen und Kollegen“ etablieren. Ein geschlossenes und einheitliches Auftreten der Ärzteschaft nach außen sei auch notwendig, um die „dringend anstehenden Verbesserungen und Reformen im heimischen Gesundheitssystem im Sinne einer bestmöglichen medizinischen Versorgung der Patientinnen und Patienten auch zukünftig zu gewährleisten“, so Steinhart in einer Aussendung. Als größte Herausforderung für die nächsten Jahre sieht Steinhart die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Spitalsärzt:innen, die Attraktivierung des niedergelassenen Kassenbereichs sowie die Sicherstellung einer wohnortnahen niederschwelligen Gesundheitsversorgung.

Der 67-jährige Wiener ist Urologe betreibt seit 1993 eine Kassenordination in der Bundeshauptstadt. Von 1992 bis 2015 war er auch ärztlicher Leiter und Geschäftsführer des Krankenhauses des Göttlichen Heilandes. Seit 1989 engagiert sich Steinhart in der Standesvertretung. Vizepräsident und Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte ist er seit 1999 in der Wiener Kammer und seit 2012 zusätzlich auch in der Österreichischen Ärztekammer.

Nach der Wahl von Johannes Steinhart zum neuen Präsidenten der Ärztekammer für Wien wurden in den an die Vollversammlung anschließenden Kuriensitzungen auch die jeweiligen Kurienvorsitzenden bestimmt: Neuer Obmann der Kurie angestellte Ärzte ist Stefan Ferenci, zum neuen Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte wurde Erik Randall Huber gewählt.

Exodus junger Ärzt:innen verhindern

Stefan Ferenci ist seit 2012 in der Standespolitik aktiv, zunächst als Vollversammlungsmitglied und seit 2017 auch als Finanzreferent der Ärztekammer für Wien. Von 2014 bis 2017 war er Chefredakteur des ärztekammerinternen Monatsmagazins „doktorinwien“.

In der kommenden Funktionsperiode möchte sich Ferenci, der ein bekennender Verfechter eines öffentlichen solidarisch finanzierten Gesundheitssystems ist, vor allem für eine Attraktivierung der Arbeitsbedingungen für Spitalsärzt:innen Wien einsetzen. Ein besonderes Anliegen ist Ferenci die Verbesserung der ärztlichen Ausbildung. Hier habe es in der Vergangenheit massive Versäumnisse gegeben, die „mit ein Grund dafür waren, dass immer mehr junge Kolleginnen und Kollegen Österreich den Rücken kehrten und lieber im Ausland tätig sind“. Ferenci ist überzeugt, dass nur durch eine nachhaltige Verbesserung der Ausbildungssituation der Exodus junger Ärzt:innen ins Ausland zukünftig verhindert werden könne.

Entbehrliche Diskussion um Wahlarztordinationen

Neuer Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte ist Erik Randall Huber, der sich seit bereits 20 Jahren standespolitisch engagiert. Seit 2009 ist Huber als niedergelassener Urologe in Wien tätig – zunächst als Wahlarzt, seit 2013 in einer Kassenordination, die 2017 in die erste urologische Gruppenpraxis Wiens umgewandelt wurde.

Für seine neue Funktion als Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte hat Huber ein umfangreiches Programm erarbeitet. Zu der Umsetzung gehöre auch Offenheit in der Diskussion mit dem Ziel, Polarisierungen zu reduzieren und gemeinsame Lösungen zu finden. Bei den Verhandlungen mit der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) und den politisch Verantwortlichen liegt für Huber der Schwerpunkt in der grundsätzlichen Attraktivierung des Kassensystems, um so wieder mehr Kolleg:innen für die Übernahme eines Kassenvertrags zu gewinnen. Die aktuell von der ÖGK losgetretene Debatte über die Abschaffung des Wahlarztsystems hält Huber für mehr als entbehrlich: „Wahlarztordinationen sind eine wichtige versorgungsrelevante Stütze in der Patientenversorgung. Eine ersatzlose Abschaffung des Wahlarztkostenrückersatzes wäre nur eine Bestrafung für die Patientinnen und Patienten und würde der ÖGK keine einzige zusätzliche Kassenstelle bringen.“

Johannes Steinhart, Präsident der Ärztekammer für Wien
Johannes Steinhart wird neuer Wiener Ärztekammerpräsident und löst damit Thomas Szekeres ab.
Ärztekammer für Wien / Stefan Seelig