Schmales Becken machte Geburten schon vor Jahrmillionen schwierig

Bereits bei unseren ältesten Vorfahren, den Australopithecinen, gestaltete sich die Geburt trotz der vergleichsweise kleinen Babyköpfe schwierig. Grund dafür war der verengte Geburtskanal, der sich mit dem aufrechten Gang entwickelte. Das zeigen 3D-Geburtssimulationen eines Forschungsteams um Martin Häusler von der Universität Zürich und Pierre Frémondière von der französischen Universität Aix-Marseille.

red/Agenturen

Der aufrechte Gang, entstanden vor etwa sieben Millionen Jahren, hat das Becken der frühen Hominiden dramatisch umgestaltet und schmaler gemacht. Im Lauf der Evolution sind später auch die Köpfe der Neugeborenen größer geworden, insbesondere vor zwei Millionen Jahren gab es eine „enorme Zunahme der Hirngröße“, wie die Universität Zürich am Dienstag mitteilte.. Das soll im sogenannten Geburtsdilemma gemündet haben, das durch die zwei gegensätzlichen Evolutionsdrücke zu neurologisch unreifen Neugeborenen und schmerzhaften Geburten führte.

Die neuen Computersimulationen zeigen nun aber, dass die Geburten sich wohl bereits bei den Australopithecinen, die vor rund vier bis zwei Millionen Jahren lebten, schwierig gestaltet haben dürften. Dies, obwohl sie noch ein relativ kleines, affenähnliches Gehirn besaßen, wie der Evolutionsmediziner Häusler im Fachmagazin „Communications Biology“ berichtet. Ihr Becken habe aber bereits deutliche Anpassungen an den aufrechten Gang aufgewiesen.

Ähnlich auf Hilfe angewiesen wie Menschen-Säuglinge heutzutage

Weil es keine Fossilien von neugeboren Australopithecinen gibt, schätzten die Forschenden die Gehirngrößen der Neugeborenen anhand von Erwachsenengehirnen ab. So betrage die Größe des Neugeborenengehirns bei nicht-menschlichen Primaten im Durchschnitt 43 Prozent der Größe des Erwachsenengehirns, während dieses Verhältnis beim modernen Menschen 28 Prozent betrage, halten sie fest. Für die Simulationen rechneten sie dementsprechend mit Gehirngrößen von 110, 145 und 180 Gramm.

Resultat: Eine komplikationslose Geburt sei einzig beim kleinsten der untersuchten Gehirngrößen garantiert. „Das bedeutet, dass die Australopithecus-Babys bei der Geburt ähnlich neurologisch unterentwickelt und auf Hilfe angewiesen waren wie die Menschenbabys heutzutage“, sagte Häusler.

Deshalb vermuten die Forschenden, dass bereits die Australopithecinen Hilfe von anderen Gruppenmitgliedern bei der Aufzucht ihres noch unterentwickelten Nachwuchs benötigten. Da das Gehirn der Neugeborenen außerhalb der Gebärmutter weiterwuchs, konnte es neue Eindrücke aufsaugen und viel dazulernen. „Diese ausgedehntere Lernphase wird gemeinhin als entscheidender Faktor für die kognitive und kulturelle Entwicklung des Menschen angesehen“, so Häusler.