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Neue Innsbrucker Anästhesie-Direktorin Sinner will Delir aufklären

Die personalmäßig größte Klinik der tirol kliniken, nämlich jene für Anästhesie und Intensivmedizin in Innsbruck, hat mit Barbara Sinner seit 1. April eine neue Leiterin. Als Forscherin möchte die gebürtige Stuttgarterin nun konkret dazu beitragen, mehr Klarheit bei Fragen rund um das sogenannte Delir zu schaffen - eine vorübergehende Bewusstseinsstörung, die meist als Verwirrtheit auftritt. Dies kündigte sie im Rahmen einer Pressekonferenz am Mittwoch an.

red/Agenturen

Abhängig vom Gesundheitszustand der Patientin oder des Patienten kann allein ein Krankenhausaufenthalt schon ein Delir auslösen, führte die neu bestellte Direktorin aus. Aber: „Es scheint einen Zusammenhang zwischen dem operativen Eingriff und der Entstehung eines Delirs zu geben.“ Als erstes großes Forschungsprojekt plane sie, in Kürze mit ihrer Klinik an einer Multicenter-Studie teilzunehmen, die sich mit dem Auftreten von Delir bei Schlaganfall-Patienten befasst.

Konkret soll untersucht werden, ob die Art der Anästhesie - Sedierung oder Narkose - mit dem Auftreten eines Delirs im Zusammenhang steht und die Langzeitergebnisse nach einem Schlaganfall beeinflusst. In die Studie wären auch weitere Innsbrucker Kliniken eingebunden, hieß es. Neue Optionen für die Vermeidung und Therapie eines Delirs würden sich aktuell im intensivmedizinischen Bereich auftun. Sinner plante, diese auch in Innsbruck umzusetzen.

Leitet ein Team von 174 Ärzt*innen

Mit 35.000 bis 40.000 durchgeführten Narkosen im Jahr gehört die Innsbrucker Universitätsklinik für Anästhesie und Intensivmedizin laut eigenen Angaben zu den größten Kliniken in ihrem Bereich in Europa. Sinner leitet ab sofort ein Team von 174 Ärzt*innen. Der Bereich Anästhesie gehe „weit über das Einschläfern von Patient*innen und Patienten hinaus“, wurde betont. So fielen etwa auch sowohl die postoperative als auch chronische Schmerztherapie in die Ägiden dieses Fachbereichs.

Alexandra Kofler, Ärztliche Direktorin der Innsbrucker Universitätskliniken, zeigte sich von der Kompetenz Sinners als Ärztin und Forscherin überzeugt. Sie hob zudem hervor, dass ihr Bereich nicht nur „personalmäßig die größte Klinik, sondern auch die zentralste“ sei: „Es gibt fast keinen Bereich ohne Berührungspunkte“, so Kofler. Trotz der „gewaltigen Größe“ erfordere dieses interdisziplinäre Fach ein hohes Maß an Flexibilität und administrativem Geschick, das Sinner ebenso mitbringe.

Der Rektor der Medizinischen Universität Innsbruck, Wolfgang Fleischhacker, hob indes Sinners Expertise und Erfahrung im Bereich der Lehre und Persönlichkeitsentwicklung hervor. Dies sei für ein „wissenschaftlich geführtes Krankenhaus“ von großer Bedeutung, sagte Fleischhacker. Sinner, die bis zu ihrer Berufung langjährige stellvertretende Direktorin der Univ.-Klinik für Anästhesiologie in Regensburg war und zuvor in Heidelberg und Göttingen arbeitete, fokussiert sich in ihrer Forschung insbesondere auf Neurowissenschaften und Kinder- sowie Transplantationsanästhesie. Akzente wolle sie vor allem im Bereich der Neurowissenschaften setzen, kündigte die neu bestellte Direktorin vor den Medienvertretern an. Ein weiteres ihrer Ziele sei zudem, noch mehr Studierende für das Fach zu gewinnen.

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