Gesundheitstage - Langer Weg zu digitalisierter Gesundheitsversorgung

Ohne Digitalisierung wird sich in Zukunft eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung nicht mehr durchführen lassen. Doch der Weg ist lang und steinig. Er führt von den jeweils richtigen Daten am richtigen Ort bis zur personalisierten Präzisionsmedizin, hieß es am Montag beim Digital Health Symposium als Vorveranstaltung der Praevenire Gesundheitstage in Seitenstetten (18. bis 20. Mai).

red/Agenturen

„Es geht von der Medizin für den 'Durchschnitt' zur personalisierten Medizin für das konkrete Individuum. Dafür müssen zunächst die Daten bereitgestellt werden, wo sie benötigt werden. Das wäre ELGA plus mit einfachem Zugriff für alle - und zwar lesend und schreibend. Man braucht auch mehr Daten“, sagte der Moderator der zweitägigen Veranstaltung, Reinhard Riedl (Fachhochschule Bern).

„Blended Care“ sollte als zweite Stufe die Patient:innen befähigen und motivieren, mehr Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen. „Man kommt von einer wohnortnahen zu einer menschennahen Versorgung mit der Integration von Telemedizin und maßgeschneiderter Wissensvermittlung“, so der Experte. Der dritte Schritt sollte dann zu einer personalisierten Präzisionsmedizin führen. Einerseits sollte es die Analyse der individuellen Daten des einzelnen Menschen erlauben, frühzeitig auf sich anbahnende gesundheitliche Probleme zu reagieren, andererseits sollte das gesamte Gesundheitswesen aus der Analyse der anonymisierten Daten vieler Menschen so lernen, dass optimale Versorgung in adäquaten Strukturen angeboten wird.

Freilich, Digitalisierung allein muss noch nicht viel helfen. Dass Patientendaten von Beginn an unvollständig oder schlecht erfasst sind, sich am falschen Ort befinden oder von einer betreuenden Stelle nicht zur nächsten mitgeliefert werden, sei schon ein altes Leiden der „analogen“ Papierdokumentation, hieß es Montagvormittag in einem Diskussionsbeitrag.

Erstes österreichisches Krankenhaus mit voll digitalisierter Medikamentenversorgung

Ein offenbar erfolgreiches Projekt stellte Gunda Gittler, Leiterin der Anstaltsapotheke des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Linz, vor. „Wir sind das erste österreichische Krankenhaus, das die gesamte Medikation für jede einzelne Patient:in verblistert und auf die Stationen bringt“, sagte sie. Seit 2004 gebe es bereits die „elektronische Fieberkurve“ mit der gesamten Patientendokumentation. Die Verordnung der Arzneimittel auf deren Basis erfolge elektronisch unter Mitwirkung klinisch tätiger Krankenhausapotheker.

Dann werden die Medikamente für jede einzelne Patient:in im „Multi Dose“-Verfahren durch Automaten verpackt. Die Patient:innen erhalten damit zu jedem vorhergesehenen Einnahmezeitpunkt die Tabletten etc., die zusammengehören. Das System ist vierfach gegen Fehler abgesichert. Versorgt werden die einzelnen Stationen des Krankenhauses mit rund 200 Betten sowie rund 2.200 Pflegeheimbewohner. „Wir verblistern sogar geteilte Tabletten“, sagte Gittler. „Pro Monat werden auf diese Weise rund 500.000 Tabletten in 250.000 Blistersäckchen ausgeliefert. Die Fehlerquote beträgt 0,04 Prozent.“

Das sei sozusagen das „Krankenhaus 4.0“, sagte die Krankenhausapothekerin. Für die Patient:innen stehe bei dem System die Sicherheit vor Verwechslungen, Dosierungsfehlern etc. im Vordergrund. Auf der anderen Seite erlaubt das Verfahren ein durchgängiges Arzneimittelmanagement von der Bestellung bis zum Verbrauch. Auch das Pflegepersonal wird dadurch entlastet, weil das „Einschachteln“ von Medikamenten entfällt.

„Wir verblistern für einzelne Patient:innen sogar auch für zu Hause“, sagte Gunda Gittler. Von verschiedensten Elektronikunternehmen werden bereits kleine Geräte auf den Markt gebracht, welche die damit Versorgten an die Einnahme von Arzneimitteln erinnern, die richtige Einzeldosis bereitstellen und die Abgabe dokumentieren.