Früherkennung

Praevenire-Gesundheitstage: Erfolgreiche Darmkrebs-Vorsorge

Vorarlberg spielt den erfolgreichen Vorreiter in der Darmkrebsfrüherkennung in Österreich. Dort haben sich nach Einführung eines Koloskopie-Programmes fast 43 Prozent der über 50-Jährigen untersuchen lassen. Viele Patient:innen konnten geheilt werden, erklärten der Leiter der ÖGK-Landesstelle Manfred Brunner und der ehemalige Vorarlberger Ärztekammerpräsident Michael Jonas am Mittwoch bei den Praevenire Gesundheitstagen in Seitenstetten (NÖ).

red/Agenturen

Seit vielen Jahren wird in Österreich auf Bundesebene über die Einführung eines Darmkrebs-Früherkennungsprogrammes für alle über 50-Jährigen diskutiert. In Österreich erkrankten im Jahr 2018 fast 4.600 Menschen an einen Dickdarmkarzinom. Während bei frühzeitiger Diagnose im Vor- oder Frühstadium praktisch eine hundertprozentige Heilungschance besteht, sinkt diese im Spätstadium trotz Operation, Chemotherapie etc. dramatisch.

In Vorarlberg wurde deshalb im Jahr 2007 ein landesweites Darmkrebs-Screeningprogramm mit Vorsorgekoloskopie gestartet. Jetzt liegen die Daten bis Ende 2021 vor. Jonas: „Wir haben 42,8 Prozent der Zielpopulation erreicht. Es wurden 52.279 Vorsorgekoloskopien durchgeführt.“ Die Beteiligung sei fünfmal höher als in Gesamtösterreich ohne ein bundesweites Programm. Die Empfehlung lautet auf eine Vorsorge-Koloskopie ab dem Alter von 50 Jahren und eine Wiederholung alle zehn Jahre.

Beleg für gewaltigen Nutzen

Die Auswertung der Daten zeigte den enormen Nutzen des Projektes. Jonas: „Bei 97,5 Prozent der Probanden konnte eine vollständige Koloskopie durchgeführt werden. 54,8 Prozent hatten einen Normalbefund. Bei 43,4 Prozent wurden gutartige Polypen festgestellt.“ 1,8 Prozent der Untersuchten hatten eine Darmkrebserkrankung in einem Vorstadium bzw. in einem frühen Stadium, in dem die Entfernung eines bösartigen Polypen oder eines beginnenden Karzinoms ohne weitere Chemotherapie zur Heilung ausreicht.

Brunner: „Für 889 Menschen hat damit das Leben einen völlig anderen Verlauf genommen.“ Jahrelange Krankheit und belastende Therapien konnten auf diese Weise verhindert werden. Nur noch 7,2 Prozent der Dickdarmkarzinom-Erkrankungen wurden im oft unheilbaren Stadium IV mit Metastasen festgestellt.

„Ab dem Jahr Fünf kamen wir in die Gewinnzone“

Das Projekt führte in Vorarlberg laut einer Studie auch zu einer Kostenersparnis. Die Therapiekosten bei einem Patienten im Stadium IV einer solchen Karzinomerkrankung wurden für die Jahre 2014 bis 2016 mit rund 236.000 Euro angesetzt. Brunner: „Natürlich musste zunächst investiert werden. Aber ab dem Jahr Fünf kamen wir in die Gewinnzone. Das Früherkennungsprogramm erspart in Vorarlberg pro Jahr 5,71 Millionen Euro.“

Auf Österreich umgerechnet dürfte sich pro Jahr durch ein Koloskopie-Vorsorgeprogramm eine Ersparnis von rund 137 Millionen Euro an direkten Gesundheitskosten ergeben. Eine gesamtwirtschaftliche Abschätzung spricht laut den Experten sogar von einem Gewinnpotenzial binnen zehn Jahren zwischen 736 Millionen und 1,3 Mrd. Euro. Jonas: „Es wäre an der Zeit, dieses Best Practice-Projekt in ganz Österreich umzusetzen.“ Im Regierungsprogramm sei das enthalten. Die Realisierung aber lässt weiter auf sich waren.

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Im Jahr 2018 erkrankten hierzulande nahezu 4.600 Menschen an einen Dickdarmkarzinom.
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