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Leuchtfarbstoff zeigt Forschern Andockstärke von Nervenbotenstoff

Für Patient:innen mit Angststörungen, Schizophrenie und Epilepsie gibt es Medikamente, die Andockstellen für Nervenbotenstoffe verändern. Ihre Aktivität kann mithilfe eines „molekularen Leuchtmittels“ betrachtet werden, berichten Wiener Forscher im Fachjournal „Angewandte Chemie“. Bindet es an eine Andockstelle, faltet es sich auf und fluoresziert. Wird es von Nervenbotenstoffen verdrängt, weil Medikamente deren Andockkraft verbessern, wird es zusammengeknüllt und verblasst.

red/Agenturen

Ein Team um Leticia González vom Institut für Theoretische Chemie der Universität Wien und Margot Ernst vom Zentrum für Hirnforschung der Medizinischen Universität Wien untersuchte den Ein- und Ausschaltmechanismus eines Farbstoffes (Gabazin-Oregon Green 488), der fluoresziert, wenn er an eine Nervenbotenstoff (Neurotransmitter) Andockstelle namens GABA-A Rezeptor bindet. Dieser spielt bei vielen neuropsychiatrischen Erkrankungen „eine wichtige Rolle“, so die Forscher:innen in einer Aussendung der Uni Wien: „Um gezielt eine angstlösende, muskelrelaxierende oder sedierende Wirkung zu erzielen, kann die Funktionsweise der GABA-A Rezeptoren durch Medikamente gesteigert werden.“

Wie gut diese Medikamente wirken, könne man mithilfe des fluoreszierenden Farbstoffes abschätzen. Er leuchtet grün, wenn er an den GABA-A Rezeptor gebunden ist. Steigern Medikamente die Anziehungskraft von GABA-A für Nervenbotenstoffe, verdrängen diese den Farbstoff von der Andockstelle. Er knüllt sich daraufhin zusammen wie ein Blatt Papier, erklären die Forscher. Dadurch wird das Fluoreszieren unterdrückt. „Im Mikroskop lässt sich leicht beobachten, wie das Licht ausgeschaltet wird“, schrieben sie. Deshalb eigne sich der Farbstoff gut, um neue Substanzen auf ihre Wirkung am GABA-A Rezeptor zu untersuchen.

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