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Corona-Impfstoff

NGOs fordern von BioNtech Impfstoff-Know-how für arme Länder

Amnesty International, Brot für die Welt und Oxfam rufen BioNtech zu einem Impfstoff-Technologietransfer an einkommensschwache Länder auf. Im Vorfeld der Hauptversammlung des Mainzer Biotechunternehmens am Mittwoch kritisierten die drei NGOs, dass der Biotechnologie-Konzern trotz massiver staatlicher Förderung und Rekordgewinnen bisher wenig tue, um die Impfstoffversorgung in einkommensschwachen Ländern zu verbessern.

red/Agenturen

Sie forderten daher „erstens dem mRNA-Hub der Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Produktions-Know-how zur Verfügung zu stellen, zweitens Impfstoffe global gerechter zu verteilen und drittens Preisgestaltung und Verträge transparent zu machen“. Nur so können sich Länder mit geringem Einkommen selbst mit lebensrettenden Impfstoffen versorgen, hieß es in einer Aussendung von Dienstag. Gemeinsam mit dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre lieferten die drei NGOs einen kritischen Fragenkatalog für die Hauptversammlung.

Verschärfung der strukturellen Ungleichheiten

Bemängelt wird unter anderem, dass BioNtech den im Juli 2021 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Südafrika eingerichteten mRNA-Hub nicht unterstütze. Dort soll ein patentfreier Corona-Impfstoff für die Länder des Globalen Südens entwickelt werden. Des Weiteren seien „fast ausschließlich wohlhabende Länder mit Impfstoff beliefert“ und dadurch einen Nettogewinn von 10,3 Milliarden Euro erzielt worden. Nur ein Prozent der BioNtech/Pfizer-Produktion an Corona-Vakzinen sei 2021 an Länder mit geringem Einkommen gegangen. Dies verschärft laut den drei NGOs strukturelle Ungleichheiten.

Massive staatliche Finanzierung

Zudem basiere der Impfstoff auf der jahrzehntelangen Forschung an der mRNA-Technologie, die „massiv“ durch staatliche Mittel finanziert sei, darunter 17,2 Milliarden US-Dollar (15,98 Mrd. Euro) von der US-Regierung zwischen 2000 und 2019. „Es kann nicht sein, dass es trotz dieser öffentlichen Förderung allein dem Unternehmen obliegt, an wen und zu welchen Konditionen das Vakzin verkauft wird, und dass Preisgestaltung und Verträge nicht offengelegt werden müssen“, heißt es in der Aussendung.

Amnesty International, Brot für die Welt und Oxfam sind Teil eines Bündnisses von fast 100 Organisationen, der People's Vaccine Alliance, die sich für die Aussetzung der geistigen Eigentumsrechte auf Mittel zur Bekämpfung von Covid-19 einsetzt.

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