Coronavirus

Bergthaler: Österreich sollte Kläranlagen-Monitoring ausbauen

Gewissermaßen gegen den internationalen Trend bewegt sich Österreich damit, dass das Überprüfen von Kläranlagenproben auf SARS-CoV-2 durch das Auslaufen des Schulstandortmonitorings zurückgefahren wird. In Ländern wie Kanada oder Deutschland werde dieser Bereich ausgebaut, so der Virologe Andreas Bergthaler zur APA. Nach dem Zurückfahren der PCR-Tests gehe es darum, weiter einen möglichst guten Überblick zu behalten und das erfolgreiche System zu erweitern.

red/Agenturen

Im Rahmen des Schulstandortmonitorings wurden über das Schuljahr hinweg österreichweit aus mehr als 100 Kläranlagen mit Schulen im Einzugsgebiet zweimal pro Woche Proben entnommen, um einen Überblick über das lokale Infektionsgeschehen bzw. Mutationen zu erhalten. Nach dem Auslaufen dieser Schiene mit Ende des Schuljahres geht nur das nationale Abwassermonitoring des Gesundheitsministeriums weiter. Es umfasst mit den 24 größten Kläranlagen Österreichs deutlich weniger Einrichtungen in vor allem dichter besiedelten Gegenden. Das Einzugsgebiet decke rund 52 Prozent der Bevölkerung ab, heißt es.

Gerade bei den Abwassertestungen war Österreich bisher „erstaunlich gut aufgestellt", so der an der Medizinischen Universität Wien und dem Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) tätige Bergthaler. Das komplexe System funktioniere über alle Bundesländer hinweg, die Ergebnisse hätten vielfach in die Risikoeinschätzungen der österreichischen Behörden Einzug gehalten. Dass damit wertvolle Informationen für das Pandemiemanagement gewonnen werden, zeigte ein Forschungsteam kürzlich gemeinsam mit Infektionsepidemiologen der AGES.

Bundesweit gute Zusammenarbeit und Daten zentral organisiert

Letztlich kann über die Proben nicht nur das Infektionsgeschehen sehr gut abgeschätzt, sondern auch die Verbreitung der Varianten verfolgt werden. Andere Länder würden gerade jetzt vermehrt in solche Systeme investieren. In Kanada wolle man bald 80 Prozent der an Kläranlagen angeschlossenen Bevölkerung damit abdecken - „Das ist schon eine Ansage", so Bergthaler. In Österreich laufe man durch das Ende des Schulstandortmonitorings „Gefahr, dass der Evidenzgewinn aus den Abwasseranalysen eher stagniert“.

Der Vorteil des Ansatzes sei, dass man auch die Übersicht behalten könne, wenn weniger PCR-getestet wird. Darüber hinaus unterliegt die Beprobung der Kläranlagen keiner möglichen Stichprobenverzerrung und ermöglicht einen verhältnismäßig kostengünstigen epidemiologischen Überblick. Das hätten einige Bundesländer sehr zu schätzen gewusst. Insgesamt habe man es bisher jedenfalls geschafft, bundesweit gut zusammenzuarbeiten und auch die Daten zentral gemeinsam mit der AGES zu analysieren und zu verknüpfen. Würden jetzt einzelne Länder mit einem ausgeweiteten Monitoring auf eigene Faust weiter machen, sei das zwar prinzipiell zu begrüßen. Es berge jedoch die Gefahr, dass das funktionierende System wieder „zu einem Fleckerlteppich ausfranst“ und darunter dann auch die Qualität der Datenanalysen leidet. „Das wäre schade", so der Virologe, der im Abwassermonitoring ein „wirkungsvolles Werkzeug“ in der aktuellen Pandemiephase sieht.

Wenn man sich nun lediglich auf die 24 Anlagen des nationalen Abwassermonitorings stütze, verliere man vielleicht nicht sehr viele Prozentpunkte der Bevölkerung, die man indirekt beprobt, die regionale Auflösung des Systems leide jedoch. Es spreche daher „einiges dafür", das aktuelle System beizubehalten, oder „es unter Umständen sogar auszubauen", sagte Bergthaler: „Als Wissenschafter würde man sich natürlich wünschen, mehr und möglichst genaue Daten zu haben.“ Dementsprechend besser könne man dann Entscheidungsträgern bessere Informationen bereitstellen.

Die Publikation als Preprint: https://doi.org/10.1101/2022.01.14.21267633; Das Abwasser-Monitoring online: https://corona.hydro-it.com/