Affenpocken

WHO prüft Berichte über Viren in Sperma von Patienten

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht Berichten über Funde von Affenpockenviren im Sperma von Patienten nach. Sie will nun prüfen, ob die Krankheit auch sexuell übertragen werden kann, wie eine WHO-Vertreterin am Mittwoch erklärte. Gleichzeitig bekräftigte die WHO, dass das Virus hauptsächlich durch engen zwischenmenschlichen Kontakt übertragen wird.

red/Agenturen

Es sei unklar, ob durch die jüngsten Berichte der Schluss gezogen werden könne, dass das Affenpockenvirus auch sexuell übertragbar ist, erklärte Catherine Smallwood, Leiterin der Abteilung Affenpocken beim WHO-Regionalbüro für Europa. „Das könnte etwas sein, das wir bei dieser Krankheit bisher nicht kannten“, sagte sie. Man müsse sich aber auf den häufigsten Übertragungsweg konzentrieren. „Und wir sehen eindeutig, dass dieser mit Haut-zu-Haut-Kontakt zusammenhängt."

In den vergangenen Tagen haben Wissenschafter Virus-DNA im Sperma einiger Affenpocken-Patienten in Italien und Deutschland nachgewiesen. Darunter ist eine im Labor getestete Probe, die darauf hindeutet, dass das im Sperma eines einzelnen Patienten gefundene Virus in der Lage ist, eine andere Person zu infizieren und sich zu vermehren.

Seit Anfang Mai wurden aus rund 30 Ländern, vor allem in Europa, mehr als 1.300 Affenpocken-Fälle gemeldet. Die meisten davon bei Männern, die Sex mit Männern haben. Die Viruserkrankung tritt hauptsächlich in West- und Zentralafrika auf und nur sehr selten andernorts, was die gegenwärtigen Ausbrüche ungewöhnlich macht. Wissenschafter versuchen herauszufinden, was der Grund für den aktuellen Ausbruch ist, woher er kommt und ob sich etwas an dem Virus geändert hat.

Der Nachweis viraler DNA bedeutet nicht zwangsläufig, dass es sich bei Affenpocken um eine sexuell übertragbare Krankheit wie HIV/AIDS oder Syphilis handelt. Virale DNA von verschiedenen Viren, darunter auch das Zika-Virus, wurde bereits in Sperma gefunden. Aber es ist unklar, ob das Vorhandensein von genetischem Material das Risiko einer sexuellen Übertragung erhöht. Ob Affenpocken durch Sperma oder Vaginalsekret verbreitet werden können, ist nach Einschätzung des deutschen Robert-Koch-Instituts noch nicht abschließend geklärt, scheint aber möglich.

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