Afrika-Risikokarte

Wo fehlende Infrastruktur Abstandsregeln einfach keine Chance gibt

Abstand zu Mitmenschen kann - wie man spätestens seit Ausbruch der Corona-Pandemie weiß - die Ausbreitung von Krankheiten eindämmen. Oft fehlt es aber an einfachsten Dingen wie privaten Toiletten, um Abstandsregeln einzuhalten. Forscher aus der Schweiz und Österreich veröffentlichten nun im Fachjournal „Nature Communications“ eine Risikokarte für Afrika über fehlende Infrastruktur und die damit zusammenhängende Gefahr einer schnelleren Ausbreitung ansteckender Krankheiten.

red/Agenturen

Die Analyse von Forschern der ETH Zürich, des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts und der Universität Innsbruck zeigt, wo es in 34 afrikanischen Länder den Haushalten an einfachster Infrastruktur fehlt, die notwendig wäre, um Abstandsregeln einzuhalten. Familien würden teilweise in nur einem Raum leben und müssten Trinkwasser oder Toiletten häufig mit anderen Haushalten teilen. Auch an privaten Transportmöglichkeiten mangle es in manchen Regionen.

Zwischen den analysierten Ländern gibt es allerdings große Unterschiede beim ermittelten „physical distancing index“ (PDI), und auch innerhalb eines Landes kann sich die Lage stark von Region zu Region unterscheiden. „Unsere Analyse zeigt, dass zur Pandemiebekämpfung nicht nur die Gesundheitssysteme ausgebaut und ein gerechterer Zugang zu Impfstoffen gewährleistet werden muss, sondern unbedingt auch mehr in private Infrastruktur investiert werden sollte“, erklärte Isabel Günther, Professorin für Entwicklungsökonomie, in einer Aussendung.

Die fehlende Infrastruktur hat dabei nicht nur ökonomische Ursachen: Denn der Studie zufolge gibt es keinen Zusammenhang zwischen dem PDI eines Landes und seinem Bruttoinlandsprodukt. Die Forscher, darunter Johannes Seiler vom Institut für Statistik der Universität Innsbruck, hoffen, mit ihren Ergebnissen Regierungen dabei unterstützen, zielgerichtet in bestimmten Regionen zu investieren und etwa Impfkampagnen durchzuführen oder die fehlende Infrastruktur auszubauen, und damit zur Pandemiebekämpfung und -prävention beizutragen. Solche Risikokarten ließen sich relativ schnell auch für andere Länder bzw. Regionen erstellen.

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