Ärzte ohne Grenzen: Mehr Konflikte als Auslöser von Flucht

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen vermerkt einen Anstieg an Krisen und Kriegen: Waren die Auslöser für Hilfseinsätze, in die Spendengelder aus Österreich geflossen sind, 2019 noch zu 57 Prozent bewaffnete Konflikte, sind es 2021 bereits 76 Prozent, teilte die NGO mit. „Fast 40 Prozent unserer Projekte von Ärzte ohne Grenzen helfen Menschen auf der Flucht“, sagte Geschäftsführerin Laura Leyser am Montag bei einer Pressekonferenz zum Weltflüchtlingstag in Wien.

red/Agenturen

Der oberösterreichische Logistik-Manager Heinz Wegerer, der soeben von seinem Einsatz aus Uschgorod in der Westukraine zurückgekehrt ist, berichtete, dass auch im Westen des Landes der Krieg sehr präsent sei. Wegerer war drei Monate für den Nachschub von Hilfsgütern und die Logistik von Ärzte ohne Grenzen in der Ukraine zuständig. „In den über drei Monaten, in denen ich jetzt in der Ukraine war, hatten wir - abgesehen von den am stärksten umkämpften Gebieten - bis heute kein Problem, die Güter dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden - via Straße und Schiene“, schilderte er laut einer Aussendung der Ärzte ohne Grenzen.

„Wir konnten seit Kriegsbeginn mehr als 800 Tonnen an Hilfsgütern in die Ukraine bringen - es handelt sich hierbei in erster Linie um Medikamente und medizinische Ausrüstung. Abgesehen davon können wir den Großteil der benötigten Güter direkt in der Ukraine beschaffen. Dadurch stärken wir auch die lokale Wirtschaft. Textilien wie Decken oder Handtücher für die Verwendung in Notunterkünften beschaffen wir beispielsweise bei einem Produzenten in der Ostukraine. Seine Fabrik ist unweit der Front, aber er macht weiter.“

Bewaffnete Konflikte sind Hauptursache für Flucht

In der Ukraine seien 600 Kollegen und Kolleginnen der Ärzte ohne Grenzen an 15 Orten im Einsatz. „Dass wir in solchen Kriegskontexten und Konflikten arbeiten können - und Zugang zu den Menschen, die davon betroffen sind, bekommen - ist rein unseren humanitären Prinzipien zu verdanken: Neutralität, Unabhängigkeit und Unparteilichkeit“, betonte Leyser.

Leyser berichtete, dass bewaffnete Konflikte generell eine der Hauptursachen für Flucht seien. „Und wir sehen, dass es immer länger dauert, dass Menschen als Geflüchtete leben müssen, weil es immer länger dauert, bis es zu einer Konfliktlösung kommt und dementsprechend auch zur Schaffung der Mindestvoraussetzungen für die Rückkehr von Flüchtenden.“ Große Flüchtlingskrisen, die die Ärzte ohne Grenzen teilweise seit Jahren beschäftigen, sind zum Beispiel in Bangladesch und Myanmar, Kenia, Afghanistan, Libyen und das Mittelmeer und seit einiger Zeit auch Burkina Faso, Äthiopien oder Lateinamerika.

Ukraine
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