Digitalisierung im Gesundheitsbereich

ÖVP kritisiert Versäumnisse der Wiener Stadtregierung

Die Digitalisierung ist nach Ansicht der ÖVP noch nicht wirklich im lokalen Gesundheitsbereich angekommen. Die Pandemie hätte die Chance zu Verbesserungen geboten, sie sei jedoch kaum genutzt worden, beklagten die Gesundheitssprecherin der Wiener ÖVP Ingrid Korosec und Digitalisierungssprecher Erol Holawatsch, Stichwort Elektronische Fieberkurve und Online-Terminvereinbarungen. Die Reaktionen aus Peter Hackers Büro folgten umgehend.

red/Agenturen

„Der persönliche Kontakt zwischen Arzt und Patient ist wichtig“, zeigte sich Korosec am Montag im Gespräch mit Journalisten überzeugt. Jedoch gebe es zahlreiche Bereiche, in denen auch digitale Lösungen sinnvoll eingesetzt werden könnten, betonte sie. Hier habe Wien „viel verschlafen“. Im Fokus der Kritik stehen vor allem die Spitäler des Gesundheitsverbunds (WIGEV).

Als Beispiel nannte die VP-Politikerin die elektronische Fieberkurve. Diese würde im Spitalsalltag eine enorme Erleichterung bringen, sagte Korosec. Doch noch gebe es nur Pilotversuche, berichtete sie - auf Basis einer Anfrage an den Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Ähnlich verhalte es sich bei der Online-Terminvereinbarung. Das sei derzeit nur in den Kliniken Hietzing und Floridsdorf möglich.

Auch die Einrichtung von Online-Ambulanzen wird empfohlen. Solche könnten etwa für den Kontakt mit Menschen mit chronischen Krankheiten angeboten werden, bei denen die persönliche Anwesenheit der Patienten nicht unbedingt nötig sei. Auch hier habe es bisher erst ein Pilotprojekt - auf der Rheuma-Ambulanz in Hietzing - gegeben. Generell gebe es zu wenige elektronische Planungssystem in den städtischen Spitälern, befindet die ÖVP.

Vorzeigeprojekt „Alles gurgelt“

Laut Holawatsch sind andere Player im Gesundheitsbereich bereits weiter. So habe die Sozialversicherung Videokonsultationen eingeführt. In den Ordensspitälern könnten Befundbesprechungen ebenfalls auf diese Art und Weise durchgeführt werden. Er verwies zudem auf Studien, laut denen das Einsparungspotenzial bei der Nutzung digitaler Anwendungen groß ist.

Im Büro des Wiener Gesundheitsstadtrats verweist man in einer Reaktion Beispiele für eine, wie man betont, äußert erfolgreiche Digitalisierung. Gerade in den vergangenen zwei Jahren seien zahlreiche Projekte umgesetzt worden, die es österreichweit nicht gebe, wurde betont. So könne man etwa Impftermine online buchen - was auch in der Pandemie geholfen habe, den Weg zur Impfung zu vereinfachen.

Auch die digitale Geburtsanmeldung wurde hervorgestrichen. Im vergangenen Jahr hätten 11.700 Frauen diese Dienstleistung genutzt, heißt es. Hingewiesen wurde auch auf die digitale Krebsplattform „OnCare“.

Komplett digital sei auch das PCR-Testsystem „Alles Gurgelt“ umgesetzt worden. Die Zahl der persönlichen Kontakte von ansteckungsverdächtigen Personen sei auf ein Minimum gesenkt worden, als „einziges Testsystem Österreichs“ sei es auch immer zuverlässig gewesen und habe Befunde innerhalb von 24 Stunden geliefert, hielt man fest. Die zentrale Verwaltung der Testergebnisse habe auch die Medikamentenabgabe erleichtert. Auf Basis eines selbstlernenden Chat-Bots sei zudem einen Symptomchecker etabliert worden.