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Gewerkschaft und Arbeitgeber fordern „Hilfe für Helferinnen“

Hilfe für die Helferinnen in der Coronakrise fordern Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter des privaten Gesundheits- und Sozialbereichs. Seit über einem Jahr im Ausnahmezustand habe sich die Belastung der Arbeitnehmer erhöht und der Personalmangel verstärkt bemerkbar gemacht, erklärten die Gewerkschaften GPA und vida gemeinsam mit dem Arbeitgeberverband Sozialwirtschaft Österreich. Sie fordern eine monatliche Zulage, zusätzliches Personal und eine Arbeitsstiftung.

red/Agenturen

Der private Gesundheits- und Sozialbereich in Österreich habe sich gerade in der Corona-Pandemie „als eine der tragenden Säulen einer funktionierenden Gesellschaft bewährt", heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme gegenüber der APA. Viele Pflegerinnen, Behindertenbetreuerinnen, Pädagoginnen oder Sozialarbeiterinnen seien aber am Ende ihrer Kräfte. Die Branche habe zwar viel verbale Wertschätzung erfahren, „diese wurde aber bisher nur unzureichend in konkrete Maßnahmen umgesetzt". So seien etwa die Bereitstellung und Finanzierung von Schutzausrüstungen und Tests noch immer nicht in allen Fällen befriedigend gelöst. Es brauche „dringend und rasch Maßnahmen, um einem Kollaps des Betreuungs- und Pflegesystems vorzubeugen".

„Viele Pflegekräfte sind am Ende, etliche werden die Branche verlassen. Wir müssen sofort gegenwirken und die Beschäftigten entlasten", betonte GPA-Vorsitzende Barbara Teiber. Kurzfristige Entlastung solle zusätzliches Personal bringen. Die zusätzlichen Mitarbeiter sollen sich etwa um bürokratische Angelegenheiten, Dokumentationspflichten und Fiebermessen für Besucher kümmern und damit die Kollegen in den Pflege- und Betreuungseinrichtungen entlasten, damit diese ihre Kernaufgaben wieder besser wahrnehmen können. 10.000 Menschen könnten so aus der Arbeitslosigkeit geholt werden, unterstrichen Gewerkschaften und Arbeitgeberverband. Die Kosten werden auf maximal 450 Millionen Euro geschätzt, das Geld solle den einzelnen Trägern vom Finanzministerium direkt zur Verfügung gestellt werden, zudem soll das Arbeitsmarktservice die Aktion unterstützen.

Außerdem gefordert wird eine monatliche Zulage von 150 Euro für alle Beschäftigten im privaten Pflege- und Betreuungsbereich während der Corona-Krise „als Anerkennung für die zusätzliche Schwerstarbeit". Die Kosten für die Zulage würden für 125.000 Arbeitnehmer rund 225 Millionen Euro ausmachen, die Prämien sollen von der Lohnsteuer und den Sozialversicherungsabgaben befreit werden. „Es ist ein längst überfälliges Zeichen des Anstandes, den Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialbereich einen ordentlichen Corona-Bonus zu zahlen", bekräftigte vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit.

Als längerfristige Perspektive wünschen sich die Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter die Einrichtung einer Sozialwirtschaftsstiftung, die Umqualifizierungen finanziell unterstützt. Dabei sollen die Schulungsteilnehmer neben dem Arbeitslosengeld einen monatlichen Betrag von 400 Euro erhalten. „Auch nach der Krise brauchen wir mehr Fachkräfte im Pflege- und Sozialbereich. Eine bundesweite Arbeitsstiftung wäre dafür ein wichtiges Instrument", erklärte Walter Marschitz, Direktor der Sozialwirtschaft Österreich. Die Arbeitsstiftung würde bei 10.000 Interessenten rund 72 Millionen Euro kosten. Finanziert werden sollen die Maßnahmen über den COVID-19-Krisenbewältigungsfonds.