Coronavirus

Hunderte Corona-Tote: Brasiliens Gefängnisse extrem überfüllt

Die Zahl der Häftlinge sinkt, aber die Gefängnisse in Brasilien sind auch in der Corona-Pandemie extrem überfüllt. Dies geht aus dem am Montag veröffentlichten Gewaltmonitor hervor, den die Mediengruppe Globo regelmäßig gemeinsam mit der Universität von São Paulo und dem Forum für öffentliche Sicherheit erstellt. Demnach sitzen in den Gefängnissen des südamerikanischen Landes derzeit rund 688 000 Gefangene ein. Im vergangenen Jahr saßen rund 710 000 Gefangene ein.

red/Agenturen

Es ist das erste Mal, dass die Zahl der Gefangenen von einem Jahr auf das andere sinkt, seit das Nachrichtenportal „G1“ im Jahr 2014 mit der Erhebung begann. Zudem wurde Platz für mehr als 17 000 weitere Häftlinge geschaffen. Die Gefängnisse haben allerdings weiter nur eine Gesamtkapazität für 441 000 Insassen. Der Anteil derjenigen, die ohne Gerichtsverfahren einsitzen, ist nach dieser Erhebung von 31,2 Prozent auf 31,7 Prozent gestiegen.

Mit der Pandemie hat sich die Situation in den Haftanstalten verschlimmert. „Es gab eine Zeit, in der die überwiegende Mehrheit der Gefangenen Symptome zeigte, die mit Covid-19 zusammenhängen“, hieß es bei „G1“ unter Berufung auf einen Inspektionsbericht. Sie seien jedoch nicht medizinisch oder nur mit schmerzlindernden Medikamenten versorgt oder geschlagen worden. Insgesamt rund 450 Häftlinge und Gefängnis-Angestellte starben demnach im Zusammenhang mit Covid-19.

Brasilien ist nach den USA und China das Land mit der höchsten Zahl an Gefangenen weltweit. Viele Haftanstalten werden von Gangs kontrolliert. Immer wieder kommt es auch hinter Gittern zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Banden mit zahlreichen Toten. Der rechte Präsident Jair Bolsonaro hat angekündigt, hart gegen die mächtigen Verbrechersyndikate vorgehen zu wollen.