ECDC: Ursache von Hepatitis-Fällen bei Kindern noch unklar

Die genaue Ursache hinter den jüngst aufgetauchten akuten Hepatitis-Fällen bei jüngeren Kindern in verschiedenen Ländern ist nach Angaben der EU-Gesundheitsbehörde ECDC weiter unklar. Untersuchungen dazu liefen derzeit in den betroffenen Ländern, sagte ECDC-Direktorin Andrea Ammon am Dienstag auf einer Pressekonferenz anlässlich der Europäischen Immunisierungswoche in Stockholm. Drei Fälle wurden mittlerweile in Italien bestätigt, in einem Fall war eine Lebertransplantation nötig.

red/Agenturen

Die bisherigen Untersuchungen deuteten auf eine Verbindung zu Infektionen mit Adenoviren hin. Bislang gebe es keine Verbindung zwischen den Fällen. Ammon sprach von bislang rund 190 gemeldeten Fällen weltweit, davon rund 40 im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Die Mehrheit der bisherigen Fälle von akuter Hepatitis unter Kindern im Alter von unter zehn Jahren geht nach ECDC-Angaben auf Großbritannien zurück. Fälle wurden laut Ammon bislang auch aus zehn EWR-Ländern sowie Israel und den USA gemeldet.

Zur Corona-Pandemie sagte Ammon, dass es eine abnehmende Übertragung gebe, die Situation aber sehr gemischt sei. Trotz des Rückgangs sei die Pandemie nicht vorbei und das Virus weiter im Umlauf, betonte die deutsche Medizinerin.

Drei bestätigte Fälle in Italien

In Italien haben die Gesundheitsbehörden drei Fälle von Hepatitis unklarer Herkunft bei Kindern bestätigt. In einem Fall musste eine Lebertransplantation durchgeführt werden. Hinzu gab es ein Dutzend Verdachtsfälle, die derzeit geprüft werden, berichtete Gesundheits-Staatssekretär Pierpaolo Sileri in einem Radiointerview am Dienstag. In zwei Verdachtsfällen seien Teenager betroffen.

Laut Sileri gebe es keinen Zusammenhang zwischen den Hepatitis-Fällen bei Kindern und dem Coronavirus. Auch mit dem Corona-Impfstoff gebe es keine Verbindung, da die erkrankten Kinder nicht geimpft seien. Die Gesundheitsbehörden würden die Charakteristika der aktuellen Hepatitis-Erkrankungen dokumentieren. Eine der Annahmen sei eine zugrunde liegende Adenovirus-Infektion. Diese könne bei Kindern Hepatitis verursachen und sei im Frühjahr aktiv. Sileri rief Eltern von Kindern mit Symptomen, die mit Hepatitis in Verbindung gebracht werden könnten, auf, sich bei ihrem Arzt zu melden.

ECDC Director Andrea Ammon
Untersuchungen zu den mysteriösen Hepatitis-Fällen bei Kindern laufen derzeit, sagte ECDC-Direktorin Andrea Ammon am Dienstag auf einer Pressekonferenz.
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