Präzisionsmedizin

Grazer CBmed treibt personalisierte Krebsbehandlung voran

In Graz wird die Präzisionsmedizin-Forschung zur personalisierten Krebsbehandlung intensiviert. Die internationale „Drug Screening Plattform“ am COMET-Forschungszentrum CBmed GmbH zeigt nach Angaben der CBmed vielversprechende Ergebnisse. Damit sei der Grundstein für den Ausbau von Graz als „Zentrum angewandter Präzisionsmedizin“ in der EU gelegt. U. a. geht es ums Zusammenführen verschiedener Analysen. Kooperiert wird mit Institutionen in Südkorea, Singapur und Japan.

red/Agenturen

Mit der im Oktober 2020 mit Partnern aus Südkorea (das Samsung Medical Center in Seoul, Anm.), Singapur und Japan ins Leben gerufenen „Drug Screening Plattform“ werden die Grundlagen für eine personalisierte Krebsbehandlung am Standort der CBmed GmbH in Österreich geschaffen. Dabei werden Stoffwechselprofile durch Metabolomics-Analysen mit den Ergebnissen des Drug-Screenings und von Genom-Analysen zusammengeführt. So könne eine auf Patienten personalisierte Behandlungsentscheidung von Medizinern unterstützt werden, teilte das Forschungszentrum mit.

„Wir können damit bereits vorhandene Technologieplattformen zu Genom- und Metabolom-Analysen mittels neuartiger Methoden - Kurzzeitkulturen von Tumorzellen aus Gewebe von Patienten sowie Wirkungsprofile von Medikamenten - in der Krebsforschung vereinen und weiterentwickeln“, wie Thomas Pieber und Robert Lobnig, Geschäftsführer von CBmed am Mittwoch mitteilten. Das Projekt wird im Rahmen des COMET-Programms der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG sowie durch das Land Steiermark (SFG) und Land Wien (WAW) gefördert.

Ein neuer Aspekt ist die „Mikrobiom-Modulation“, die zweiten Säule im Projekt. Medikamente und Therapien führen zu einer Veränderung der Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms sowie dessen Funktion, in positiver wie negativer Form. „Mit einer Modulation des Mikrobioms kann die Therapie gezielt beeinflusst werden, was sich auch auf die Sicherheit der Anwendung und eventuellen Nebenwirkungen sowie auf die Effektivität auswirken kann“, so Vanessa Stadlbauer-Köllner, wissenschaftliche Leiterin des Bereichs Mikrobiom-Modulation für Präzisionsmedizin in der CBmed. Firmen aus Österreich, Deutschland und den Niederlanden seien bereits in Auftragsforschungsprojekten mit CBmed außerhalb des COMET Programms involviert, sagte Lobnig.

Bis Ende 2022 werden rund fünf Millionen Euro investiert

Für Studien wird an den Med-Unis Graz und Wien Tumorgewebe von Patient*innen entnommen, die Zellen werden anschließend im Labor kultiviert und ihre Reaktion auf unterschiedliche pharmazeutische Wirkstoffe getestet. In der erste Studie befinden sich 80 Patient*innen mit bösartigen Krebserkrankungen des Gehirns, der Eierstöcke und des Stützgewebes. Die Reaktion der Tumorzellen wird in standardisierter und automatisierter Weise mittels der Drug Screening Plattform parallel auf 80 Medikamente zur Krebstherapie getestet.

In den nächsten Jahren sollen die Studien und Forschungen auch auf andere Krebsarten und klinische Zentren erweitert werden. 2022 wird mit weiteren klinischen Zentren - dem Kepler Universitätsklinikum in Linz und der Med-Uni Innsbruck - ein österreichweites Netzwerk für Krebstherapie aufgebaut. In einem nächsten Ausbauschritt können parallel mehrere hundert Substanzen für mehr als 3.000 Samples pro Jahr analysiert werden. Ferner sollen Kooperationen mit internationalen Zentren wie der „New York Stem Cell Foundation"etabliert werden.

Am Drug-Screening-Projekt arbeiten elf Beschäftigte am Standort Graz, das Projektvolumen beträgt rund 3,9 Millionen Euro. Der Gesamtwert der technischen Ausstattung beläuft sich auf rund 1,1 Millionen Euro. Bis Ende 2022 werden rund fünf Millionen Euro investiert. Projektpartner in Österreich sind die Med-Unis Graz und Wien sowie das Joanneum Research Health - Institut für Biomedizin und Gesundheitswissenschaften. Internationale Projektpartner sind zwei Spin-Offs des Samsung Medical Center in Seoul - Aimed Bio aus Südkorea und AvataMed aus Singapur - sowie Shimadzu, ein weltweiter Technologieführer im Bereich Massenspektrometrie. Letzterer hat die Firmenzentrale in Kyoto, aber auch ein Innovationszentrum in Duisburg.

Aktuell arbeiten rund 60 Mitarbeiter der CBmed GmbH in Graz und Wien an Forschungsprojekten zur angewandten Präzisionsmedizin. Das jährliche Forschungsvolumen des FFG-geförderten COMET-Zentrums beträgt 7,5 Millionen Euro. Durch die Umsetzung der Drug-Screening- in Kombination mit der Mikrobiom-Modulations-Plattform soll der Umsatz schrittweise auf über zehn Millionen Euro jährlich gesteigert werden.