Corona-Impfung

Immunisierung von Minderjährigen verringert Viruszirkulation

Mit Spannung wird die Entscheidung der EU-Arzneimittelbehörde EMA bezüglich der Freigabe des Corona-Impfstoffs Comirnaty von BioNTech/Pfizer für Kinder ab zwölf Jahren erwartet. Sollte „Grünes Licht“ gegeben werden, dürfte das Nationale Impfgremium (NIG) der Empfehlung der EMA folgen. Das bedeutet dann, dass 340.035 Kinder und Jugendliche in Österreich sich gegen das Coronavirus impfen können. Der Wiener Umweltmediziner Hans-Peter Hutter sieht das positiv.

red/Agenturen

Der Experte der Medizinischen Universität Wien sagte im Ö1-Morgenjournal auf die Frage, ob er seine Kinder impfen lassen würde: „Selbstverständlich, aus einem Grund: Weil natürlich auch in dieser Gruppe das Virus weiterhin sehr zirkuliert.“ Somit könne es dort auch mutieren und Probleme für die Gesamtbevölkerung machen. Die Gefahr sei für die Jüngeren selbst zwar vergleichsweise klein, eine Ansteckung könne aber doch dennoch Folgen haben, „die man als Vater oder als Mutter nicht haben möchte“. Das Ziel sei, „eine Bevölkerungsimmunität“ zu erreichen, und da gehöre auch das Impfen in diesen Altersgruppen dazu.

Die häufigsten Impfreaktionen sind Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfweh und Fieber. Diese würden bei jungen Erwachsenen stärker als bei älteren Erwachsenen ausfallen, „und so muss man auch davon ausgehen, dass durchaus Jugendliche und ältere Kinder da reagieren“, sagte der Kinderarzt und Infektiologe Volker Strenger von der Grazer Uni-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde im Ö1-Morgenjournal. Aber selbst nach der großflächig angelaufenen Corona-Impfung für Junge in den USA liege bisher kein Hinweis vor, „dass wirklich schwere Nebenwirkungen, schwere Komplikationen auftreten“, und „vor allem nicht, dass die jetzt bei Kindern häufiger auftreten würden“.

Long Covid bei mindestens 50 Prozent der betroffenen Kinder

Für die Impfung ab zwölf Jahren spreche etwa auch, dass es schwere Verläufe geben könne, meinte Strenger. Die Erleichterungen, die Geimpfte genießen, seien sicher auch ein Aspekt. Bei der Entscheidung müsse man abwägen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sich auch Kinder anstecken. Die Pandemie werde uns aber weiter begleiten „und es wird jeder die Erkrankung irgendwann bekommen, wenn er nicht geimpft ist, also so gesehen wird man früher oder später um die Impfung auch in jüngeren Altersgruppen nicht herumkommen“.

Die Leiterin der Long-Covid Ambulanz am Wiener Allgemeinen Krankenhaus, Mariann Gyöngyösi, verwies im Morgenjournal auf die Langzeitfolgen, die auch Junge treffen könnten: Mehreren Studien zufolge könnten „mindestens 50 Prozent“ betroffener Kinder das Long-Covid-Syndrom haben. In einer italienischen Untersuchung hätten fast 60 Prozent der Kinder mit durchgemachter Corona-Infektion „mindestens ein Symptom“ aufgewiesen. Am häufigsten sei das Fatigue-Syndrom, „Erschöpfung, Konzentrationsschwäche und Müdigkeit, Kopfweh und so weiter“.