Landeshauptmann Wallner muss in mehrwöchigen Krankenstand

Der Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) tritt ab sofort einen mehrwöchigen Krankenstand an. Dies geschehe auf dringenden ärztlichen Rat, hieß es am Mittwochvormittag in einer Aussendung der Landespressestelle. Die Belastungen der vergangenen Monate hätten zu körperlichen Beschwerden Wallners geführt. Ein Rücktritt stehe nicht im Raum, hieß es aus dem Büro des Landeshauptmannes auf APA-Anfrage.

red/Agenturen

Mediale Spekulationen in diese Richtung seien falsch, so Wallners Sprecher Simon Kampl. Ziel des Krankenstandes sei es, dass Wallner danach „in alter Stärke und Frische“ wieder zurückkehren könne, bestätigte auch Florian Themeßl-Huber, Leiter der Landespressestelle. Das Regierungsprogramm werde inzwischen planmäßig fortgeführt.

Die Aufgaben des Landeshauptmannes werden während seines Krankenstandes ordnungsgemäß von der Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink übernommen. Dazu gehört auch der Vorsitz in der Landeshauptleutekonferenz, den Vorarlberg noch bis Ende Juni innehat. Als ÖVP-Landesparteichef wird Wallner bis zu seiner Rückkehr von Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher vertreten.

Rücktritt laut offizieller Seite kein Thema

Auf der Facebook-Seite Wallners war am Mittwochmittag eine längere Stellungnahme zu lesen, in der es neben den bereits in der Aussendung der Landespressestelle bekanntgegebenen Informationen hieß: „Ich werde danach mit voller Kraft ins Amt zurückkommen und auch weiterhin für Vorarlberg Verantwortung tragen. Danke für Euer Verständnis und die bereits zahlreich eingetroffenen Genesungswünsche!“

Auch ÖVP-Generalsekretärin Laura Sachslehner ging von einer Rückkehr Wallners aus: „Ein Krankenstand beinhaltet, dass man danach zurückkehrt, wenn man sich erholt hat.“ An Wallners Situation werde ersichtlich, dass die „mediale Vorverurteilung“ gesundheitliche Folgen hinterlasse. „Das geht nicht spurlos vorüber“, so Sachslehner. Traurig sei, dass dies mittlerweile zum politischen Alltagsgeschäft gehöre.

Die vergangenen Monate seien von ungewöhnlichen Anstrengungen geprägt gewesen, hieß es in der Aussendung - einerseits die langwierige Krisenbewältigung, andererseits auch die Vorwürfe rund um die Causa Wirtschaftsbund, die Wallner stets dezidiert zurückwies.

Genesungswünsche für Wallner

Der grüne Regierungspartner zeigte sich betroffen von Wallners Erkrankung und schickte in einer Aussendung Genesungswünsche: „Wir wünschen dem Landeshauptmann alles, alles Gute und eine rasche Genesung. Insbesondere wünschen wir auch der Familie und den Angehörigen viel Kraft für die schwierige Zeit“, so die grüne Doppelspitze Daniel Zadra und Eva Hammerer. Wallner müsse sich jetzt „zu 100 Prozent auf seine Genesung und Gesundheit konzentrieren können. Wir tun alles, um dazu einen Beitrag zu leisten.“ Sie seien überzeugt, dass die Abläufe in der Landesregierung weiter reibungslos funktionieren würden.

Auch Bundeskanzler Karl Nehammer sandte seinem Parteikollegen die besten Wünsche: „Die Belastungen in der Spitzenpolitik sind oftmals unglaublich hoch und für die Gesundheit eine schwere Belastung. Ich wünsche Markus Wallner beste und vollständige Genesung und dass er sich die Zeit nimmt, die er braucht, um wieder zu Kräften zu kommen und seine Arbeit als Landeshauptmann für das Land Vorarlberg wieder aufzunehmen. Die Gesundheit steht über allem, auch in der Politik.“

Die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) wünschte Wallner ebenfalls „eine möglichst rasche und vollständige Genesung, damit er kraftvoll in die politische Arbeit für seine Heimat zurückkehren kann“. Sie nahm Wallners Erkrankung zum Anlass, „um an alle zu appellieren, wieder respektvoller miteinander umzugehen“.

Kranke Politiker waren lange ein Tabu

Rückzüge von Politikern aus Gesundheits- oder Überlastungsgründen wie nun jener von Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) waren lange eine Seltenheit. Zur Enttabuisierung trug sicher Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bei, der nicht nur bei seinem Abschied im Vorjahr offen von Gesundheitsproblemen sprach, sondern davor auch sein Burnout thematisiert hatte. Sein Nachfolger Wolfgang Mückstein (Grüne) ging kaum ein Jahr später, ebenfalls wegen Überlastung.

Davor waren gesundheitliche Probleme von Spitzenpolitikern jahrzehntelang ein Tabu, durchbeißen und keine Schwäche zeigen lautete die Devise. Geheim gehalten wurde etwa das Nierenleiden von Bundeskanzler Bruno Kreisky (SPÖ), das ihn Anfang der 1980er-Jahre regelmäßig zur Dialyse zwang. Außenminister Alois Mock (ÖVP) versuchte seine Parkinson-Erkrankung zu überspielen.

Offenerer Umgang mit Gesundheitsproblemen erst in jüngsten Jahren

Erst in den letzten Jahren hat sich das geändert: Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP) ging 2011 nach einer Lungenembolie. Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (beide SPÖ) machten ihre Krebserkrankungen öffentlich, gaben ihre Ämter aber nicht auf. Bundespräsident Thomas Klestil blieb ebenso, trotz einer Lungenembolie 1996. Nachdem er zwei Herzinfarkte erlitten hatte, starb er 2004 zwei Tage vor Ende seiner zweiten Amtszeit.

In der Zweiten Republik gibt es viele weitere Beispiele von Politikern, die trotz schwerer Erkrankungen im Amt blieben. Dazu gehören etwa die Bundespräsidenten Theodor Körner, Adolf Schärf und Franz Jonas oder auch Bundeskanzler Julius Raab (ÖVP).

Markus Wallner
Auf dringenden ärztlichen Rat muss Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner in den Krankenstand, ein Rücktritt ist laut offizieller Seite aber kein Thema.
DIETMAR MATHIS / APA / picturedesk.com