Praevenire Gesundheitstage

Neue Finanzierungspläne für innovative Therapien

Die Entwicklung der Medizin bringt derzeit für Patientinnen und Patienten immer zielgenauere Therapien. Das trifft Seltene Erkrankungen oder bestimmte Formen an sich häufiger Krankheiten. Gleichzeitig werden diese innovativen Therapien häufig kostenaufwendig. Neue Finanzierungsmodelle sind deshalb notwendig, hieß es am Mittwoch bei den Praevenire Gesundheitstagen im Stift Seitenstetten.

red/Agenturen

Insgesamt zerfällt derzeit das Spektrum neuer Therapien, vor allem neuer Medikamente, zunehmend in zwei Bereiche: Einerseits werden ehemalige Blockbusters (z.B. Cholesterinsenker, Blutdruckmedikamente) nach Patentablauf durch die Generika für ihren Nutzen unverhältnismäßig „billig“. Bei den Innovationen stehen hingegen immer wirksamere Therapien für Seltene Erkrankungen mit hohem Aufwand zu erwartenden Durchbrüchen auch bei häufigen Leiden gegenüber.

Ronald Pichler, zuständig für Public Affairs und Market Access beim Verband der pharmazeutischen Industrie (Pharmig): „Es geht um 'Big and Powerful' und um 'Small and Powerful'.“ Ein Therapiedurchbruch beim häufigen Morbus Alzheimer mit einer aufwendigen Innovation stelle die eine Herausforderung dar. Die zweite: Für Untergruppen an sich häufiger Erkrankungen (z.B. Lungenkarzinome mit spezifischen Genmutationen) oder für Seltene Erkrankungen (z.B. Spinale Muskelatrophie - SMA) wurden und werden erstmals hoch selektiv wirkende Arzneimittel und Gentherapien entwickelt und auf den Markt gebracht. Die Aufregung über die Preise ist regelmäßig hoch.

In der Pharmig hat man ein Strategiepapier entwickelt, das sich mit neuen Finanzierungsmodellen für solche Fälle beschäftigt. Immerhin kann zum Beispiel die Gentherapie für ein Kind mit SMA 1,8 Millionen Euro Kosten, dafür aber für die bis vor kurzem unbehandelbare Erkrankung für Babys - was die Hoffnung ist - die Heilung bedeuten. Für neue Finanzierungsmodelle ist jedenfalls Planbarkeit sowohl für die Zahler (Krankenkassen, Krankenhausträger) als auch für die Pharmaindustrie notwendig.

Rechtslage ist eindeutig

Beim Verband der pharmazeutischen Industrie hat man deshalb aus internationalen Datenbanken jene innovativen Medikamente und Therapien herausgefiltert, die in den kommenden zwei Jahren zugelassen werden dürften. Bei den innovativen Therapien kam man auf zwölf neue Anwendungsgebiete für Arzneimittel für Seltene Erkrankungen, einer der Durchbrüche dürfte auf eine große Patientengruppe treffen. Damit erscheine die Problematik durchaus überschaubar, hieß es in Seitenstetten.

Derzeit wird an einem Pilotprojekt für die gleiche Bewertung und den gleichen fairen Zugang zu innovativen Therapien in den österreichischen Krankenhäusern aller Bundesländer gearbeitet. Fachleute sprechen von einer „Spitals-Heilmittelevaluierungskommission; Spitals-HEK). Die Details sind noch nicht geklärt, vor allem die Frage der Bewertung neuer Therapien dürfte heikel werden, weil viele solcher Gremien vor allem von Zahlern und Sparmotivationen dominiert sind.

Ohne neue Finanzierungsmodelle dürfte es jedenfalls nicht gehen. Pichler nannte hier folgende Beispiele: Erfolgs-basierte Zahlung (Outcome-based-Payment; Bezahlung, wenn sich Behandlungserfolg einstellt), Ratenzahlung (Over-Time-Payments) und Abonnement-Modelle (Subscription Payments).

Dafür gibt es bereits Beispiele in Österreich: Einzelne Bundesländer bzw. Krankenhausträger haben bezüglich der CAR-T-Zelltherapien Verträge mit der Pharmaindustrie auf der Basis der Behandlungserfolge abgeschlossen. Österreichweit gibt es ein Finanzierungsmodell für die SMA-Gentherapie über einen Innovationstopf, sodass alle Kinder in Österreich, welche die Therapie benötigen und geeignet sind, an einem der Zentren behandelt werden können.

Rechtlich gesehen ist die Situation bei der Versorgung mit innovativen Therapien in den österreichischen Krankenhäusern laut Michael Mayrhofer, Vorstand des Instituts für Verwaltungsrecht an der Kepler-Universität in Linz, eindeutig. Die Patientinnen und Patienten haben den Anspruch auf eine optimale Versorgung. An Zentralkrankenhäusern ist der Standard nach dem internationalen Stand des medizinischen Wissens zu orientieren. Da können lokale Bewertungsgremien nur wenig Gewicht haben. Die Therapieentscheidung im Einzelfall sollten am besten medizinisch-pharmazeutische Boards treffen.