Coronavirus

Steiermark fährt ab Mitte August die Impfstraßen wieder hoch

Die Steiermark wird ab Mitte August ihre 15 Impfstraßen wieder hochfahren - zumindest an drei Tagen in der Woche - und gibt eine Impfempfehlung für den vierten Stich vulgo Auffrischung ab. Dies geschah vor dem Hintergrund steigender Infektionszahlen und einer Corona-Sommerwelle. Dass die Situation früher als im Herbst ernster werden dürfte, wurde am Freitag bei der Präsentation der Maßnahmen im Medienzentrum Steiermark in Graz deutlich: Es herrschte Maskenpflicht.

red/Agenturen

Der Virologe Klaus Vander, ärztlicher Direktor des Instituts für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie, beobachtete eine stetige Zunahme von Infektionszahlen. „Die nur eine Spitze des Eisberges darstellen, weil es ein deutlich geringeres Testregime gibt. Die Varianten BA.4 und BA.5 übernehmen das Lead.“ Es gebe zwar eine geringere Krankheitslast, weil ein Großteil der Bevölkerung immunisiert sei. Aber die kontinuierliche Zunahme der Auslastung der stationären Betten - der Intensivbetten sehr wenig - nehme zu, wenngleich derzeit eher mildere Fälle in die Aufnahme gelangten.

Gleichzeitig komme es zu einer Abnahme der gültigen Impfzertifikate, obwohl die Steiermark bei Impfungen gut dastehe, sagte Vander. „Offenbar sind die Infos zum vierten Stich noch nicht ausreichend angekommen. Die Impfungen schützen nur in einem eingeschränktem Ausmaß vor einer Infektion, aber in sehr hohem Ausmaß vor Erkrankung bzw. der Intensivstation. Jeder Person über 45 Jahren empfehlen wir die vierte Dosis“, sagte Vander.

Gerald Lichtenegger vom Corona-Pandemie-Management des Landes Steiermark schilderte, dass die Steiermark zusammen mit Wien rund 50 Prozent der Auffrischungsimpfungen in Österreich verabreicht habe. Bei Impfstoffen gebe es keine Knappheit, es stünden die Produkte von Biontech-Pfizer, Moderna, Johnson & Johnson sowie Novavax zur Verfügung. AstraZeneca sei in Österreich nicht mehr verfügbar. Die 15 Impfstraßen seien ab 16. August wieder in Vollbetrieb, vorerst Dienstag, Donnerstag und Freitag. Der Grund dafür sei auch der dann nahende Schulstart. Personalisierte Informationen gebe es für jene rund 870.000 Personen, die sich bisher auf der steirischen Impfplattform registriert hatten. Weitere Infos seien unter www.steiermark-impft.at abrufbar.

Als Testcenter fungieren nach wie vor u.a. 976 steirische Apotheken. Je fünf Antigen- bzw. PCR-Tests stünden pro Kopf und monatlich gratis zur Verfügung. Das werde auf jeden Fall bis zum Ende des Jahres so sein, sagte Lichtenegger. Die Rückkehr zum umfangreichen Teststraßensystem, wie es bekannt sei, ist nicht geplant.

Med-Uni Graz: Viren ansteckender als zuletzt schon hochinfektiösen Varianten

Bernhard Haas von der Med-Uni Graz nannte es eine „rein semantische Frage", wann man von Pandemie zu Endemie komme: „Corona wird bleiben. Das Ausmaß und die Zeit neuer Wellen lässt sich nicht genau vorhersagen, wir haben eigentlich mit einer Sommerpause, wie aus den vergangenen zwei Jahren bekannt, zum Verschnaufen gerechnet. Aber der Effekt der Entlastung in der wärmeren Jahreszeit blieb aus.“ Das liege wohl an den neuen Subvarianten BA.4 und BA.5, die in 75 bis 80 Prozent der Proben in Österreich nachgewiesen werden, sagte Haas. Diese dockten auch bei Hybridimmunität an, also einer Kombination aus geimpft oder durchgemachter Erkrankung.

Die Viren seien ansteckender als die zuletzt schon hochinfektiösen Varianten, betonte Haas: „Das sind wahre Entfesselungskünstler. Die Symptome sind eher in den oberen Atemweg gewandert, plus Nasennebenhöhlen-Effekte.“ Die Schutzwirkung der Omikroninfektion sei nun vorbei. Deshalb rufe man Ältere und Risikogruppen zur vierten, also der Auffrischungsimpfung. Aber es sei niemandem eine Impfung vorzuenthalten, bei dem das sinnvoll sei und der eine wolle.

Apothekerkammer-Präsident Gerhard Kobinger sagte, wenn im Herbst wieder rund 250.000 Tests pro Woche erforderlich seien, dann werde man das hinkriegen. „Wir wissen aus anderen Bundesländern, dass rund 50 Prozent der Gurgeltests nicht auswertbar sind, weil nicht richtig gegurgelt wird. Der Goldstandard hier ist immer noch der Nasen- oder Rachenabstrich.“ Man habe zwei Labors in Graz zum Auswerten.

Ärztekammer-Vizepräsident Peter Schmidt deponierte, dass die Beratung durch Hausärzte nun forciert werden müsse, die Notwendigkeit einer Auffrischungsimpfung käme leider oft nicht bei den Menschen an. „Omikron ist nicht harmlos", sagte Schmidt.

Coronaimpfung
Neue wissenschaftliche Analysen ergaben demnach, dass bereits Personen ab 60 Jahren von einer früheren Auffrischungsimpfung profitieren.
David Bohmann / PID