NS-Aufarbeitung

„Wenn Namen leuchten"

An der Universität Wien wurden mit der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus 1938 rund 3.000 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität entlassen und in der Folge vertrieben oder ermordet – darunter auch 120 Studierende und acht Lehrende des Fachs Geschichte. Ein nun enthülltes Denkmal vor dem zentralen Hörsaal für Geschichte-Studierende, dessen künstlerische Konzeption Iris Andraschek oblag, und eine Begleitpublikation, die unter anderen von den Zeithistorikern Herbert Posch und Martina Fuchs herausgegeben wurde,  erinnert an die damals entrechteten Menschen.

red

Die stark antidemokratische und antisemitische Grundstimmung an der Universität Wien in den 1920er und 1930er Jahren und die aktive Rolle der Universität im Rahmen der Vertreibung einer großen Zahl ihrer Lehrenden und Studierenden im Nationalsozialismus 1938–1945 sowie deren Aufarbeitung in den letzten Jahrzehnten bilden den Hintergrund dieser Gedenk-Initiative.

Eine von Martina Fuchs geleitete Projektgruppe mit Vertretern der heutigen historischen Institute der Universität Wien (unter anderem das Institut für Zeitgeschichte oder das Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde) „wollte sich ihrer Geschichte stellen, an dieses Unrecht erinnern und ist sich zugleich der Mitverantwortung der Universität für dieses unfassbare Leid bewusst, das damals auch Angehörigen der Universität Wien zugefügt wurde“, so die Universität dazu. Die Namen und Biografien der entlassenen, vertriebenen und entrechteten Frauen und Männer, die an den damaligen historischen Instituten betroffen waren, wurden vom „Forum Zeitgeschichte der Universität Wien" recherchiert und werden auf der Gedenktafel nicht nur kollektiv, sondern individuell, namentlich, erinnert werden.

Eine Jury entschied sich hier für das Projekt der Künstlerin Iris Andraschek („Wenn Namen leuchten"), dem die Idee zugrunde liegt, die Namen der vertriebenen Studierenden und Lehrenden aus dem Dunkel der Vergangenheit und des Vergessens heraus sichtbar zu machen und leuchten zu lassen. Aus großen reflektierenden Tafeln leuchten Texte und Namen matt heraus, reflektieren gleichzeitig die räumliche Struktur der damaligen wie heutigen Architektur des Gebäudes, spiegeln den Eingang zum Historischen Institut, der sich ab 1938 für die jüdischen und andersdenkenden Studierenden sowie Lehrenden verschlossen hat, wie auch die heutigen Betrachter*innen im Spiegelbild, das durch Buchstaben und Namen überlagert und durchbrochen wird.

Die Begleitpublikation erschien im LIT Verlag:

Herbert Posch u. Martina Fuchs (Hg.): Wenn Namen leuchten. Von der Universität Wien 1938 bis 1945 vertriebene Geschichte-Studierende und -Lehrende: ein Denkmal. LIT-Verlag, Wien 2022.

 

 

 

Buchcover Wenn Namen leuchten
Das Buch „Wenn Namen leuchten" erschien kürzlich im LIT Verlag
LIT Verlag
Denkmal_Wenn Namen leuchten
Das Denkmal vor dem für Geschichte-Studierende zentralen Hörsaal 41 wurde von Iris Andraschek gestaltet.
Markus Korenjak/Universität Wien