Screening

Der nur selten erkannte Prädiabetes

In den meisten Fällen ist Prädiabetes eine Vorstufe des Diabetes mellitus Typ 2. Etwa fünf Prozent aller Erwachsenen haben hierzulande einen Prädiabetes, was bedeutet, dass sie auch einem hohen Risiko ausgesetzt sind, innerhalb der nächsten Jahre einen Diabetes mellitus Typ 2 zu entwickeln. Aber: Ein entsprechendes Screening trägt zu einer frühen Therapie bei und kann Komplikationen in den Blutgefäßen verzögern

red

Laut Dr. Michael Resl von der Abteilung für Innere Medizin im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Linz werde ein Prädiabetes, „der bereits das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen erhöht“, viel zu selten erkannt und behandelt, schreibt der Experte in der „Ärzte Krone“. Vor diesem Hintergrund empfehlen die Diabetesgesellschaften ein strukturiertes Screening. „Generell sollte ab dem 45. Lebensjahr die Nüchternplasmaglukose, alternativ dazu das HbA1c, kontrolliert oder ein oraler Glukosetoleranztest durchgeführt werden. Liegen zusätzliche Risikofaktoren vor, soll unabhängig vom Alter gescreent werden. Bei primär unauffälligen Resultaten wird eine Wiederholung alle drei Jahre empfohlen“, so Resl.

Ernährungsberatung als Teil der Therapie

Im Falle einer Prädiabetes-Diagnose sei die lebensstilmodifizierende Therapie die effektivste Maßnahme, um eine Progression des Prädiabetes zu einem Diabetes mellitus Typ 2 zu verzögern oder gar zu verhindern. Resl: „Da die Modifikation der Ernährung bei Prädiabetes einen besonders wichtigen Stellenwert einnimmt, sollte eine Ernährungsberatung durch entsprechend geschulte Diätolog:innen durchgeführt werden.“ Generell würde sich aber eine gesunde Mischkost empfehlen, wobei hier weniger 30 Prozent des Tagesenergiebedarfs durch Fett gedeckt werden sollten. Ebenso essenziell in der Therapie: rund 30 Minuten pro Tag moderate Bewegung.

„Die wissenschaftliche Evidenz für diese Empfehlungen beruht maßgeblich auf den Resultaten der Diabetes Prevention Study und des Diabetes Prevention Program. Im Rahmen dieser Arbeiten bewirkte eine intensivierte lebensstilmodifizierende Therapie eine 56-prozentige Risikoreduktion für das Auftreten eines Diabetes mellitus Typ 2 bei bereits an Prädiabetes erkrankten Patient:innen (definiert durch gestörte Glukosetoleranz). In diesen Studien konnte eine beeindruckende Number Needed to Treat von 6,9 errechnet werden. Dies ist insofern besonders bemerkenswert, da für die verfügbaren Medikamente die entsprechende Number Needed to Treat deutlich höher ausfällt“, so Resl weiter.

Effekt von Medikamenten demonstriert

Neben der Adaption des Lebensstils – der effektivsten Maßnahme, um den Prädiabetes zu begegnen – konnten zahlreiche Studien auch Metformin, Alphaglukosidasehemmer und Glitazone einen therapeutischen Effekt bei Prädiabetes belegen, wobei deren Verordnung in dieser Indikation nicht routinemäßig, sondern lediglich nach Bewertung von Nutzen und erfolgen.

 

Quelle: Ärzte Krone

Diabetes Prädiabetes
Am größten sei der Effekt bei Frauen zwischen 50 und 59 Jahren, wo das Risiko 1,65-mal höher ausfällt, so die Forscher:innen.
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