Fallhäufigkeit hängt laut Studie auch vom Klima ab

Eine in der Fachzeitschrift „Nature“ publizierte internationale Studie hat den Zusammenhang von klimatischen Bedingungen mit der Fallhäufigkeit von Covid-19-Infektionen untersucht. „Je näher ein Land am Äquator liegt, desto weniger bestätigte Fälle des Covid-19-Virus pro Million Einwohner/in treten auf", fasste Autor Klaus Prettner, Professor für Makroökonomie und Digitalisierung an der WU Wien, eine der Kernaussagen zusammen.

red/Agenturen

Die indirekte Proportionalität der SARS-CoV-2-Fallhäufigkeit mit hoher Luftfeuchtigkeit und ebensolchen Temperaturen würde einen saisonalen Effekt nahelegen. Der Entspannung im Sommer folge dann jedoch ein Wiederaufflammen, sobald Temperaturen im Herbst und Winter erneut sinken. Impffortschritt, Eindämmungsmaßnahmen und Auftreten infektiöserer Virusvarianten müssen hierbei natürlich ebenfalls berücksichtigt werden.

Die internationale Studie, an der auch das IIASA in Laxenburg in Niederösterreich beteiligt war, bediente sich eines statistischen Schätzverfahrens, die Forscher regressierten den Logarithmus der bestätigten Covid-19-Fälle pro Million Einwohner in einem Land auf die Entfernung des Landes vom Äquator und kontrollieren dabei wichtige Einflüsse wie Bevölkerungsdichte, Flugreisen, Verkehrsdichte, Einkommen, Testintensität, Gesundheitsausgaben und Altersstruktur, hieß es in einer Aussendung der WU. So konnte aufgezeigt werden, mit welchem Prozentsatz die kumulierte Anzahl der Corona-Fälle seit Beginn der Pandemie mit der Nähe zum Äquator abnehme.

Demnach weist ein Land, das 1.000 Kilometer näher am Äquator liegt, durchschnittlich 33 Prozent weniger Fälle pro Million Einwohner auf. Die Korrelation von Krankheit und Klima konnte bereits im April 2020 im Preprint der Studie gezeigt werden und wurde nun mit den Daten bis Jänner 2021 bestätigt. Der genaue zugrunde liegende Mechanismus könne mit den Daten der Autoren jedoch nicht eindeutig gezeigt werden. Denkbar seien unterschiedliche Wirkungskanäle, wie ein direkter klimatischer Effekt auf die Ausbreitung des Virus, oder ein indirekter Effekt, nachdem das Immunsystem im Winter anfälliger für Infektionen ist, oder auch ein indirekter Effekt über das Verhalten der Menschen, die im Sommer weniger Zeit in geschlossenen Innenräumen verbringen, in denen die Ansteckungswahrscheinlichkeit jedoch höher ist.

„Je näher am Äquator, desto höher sind tendenziell die Luftfeuchtigkeit, die Temperaturen und die Intensität der UV-Strahlung. Dies zu wissen ist wichtig, um entsprechende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Covid-19-Virus zeitlich optimal zu planen. Unsere Ergebnisse bedeuten insgesamt jedoch nicht, dass Länder, die näher am Äquator sind, gar nicht von der Pandemie betroffen sind oder das Virus im Sommer ganz verschwinden wird", hielt Prettner fest. Wie sich die Covid-19-Pandemie im Sommer entwickeln wird, hänge auch von weiteren Variablen ab, die in der Studie nicht miteinberechnet werden konnten, dazu zählen auch die neuen Varianten und Mutationen von SARS-CoV-2.

Link zur Studie: https://www.nature.com/articles/s41598-021-87692-z - Climate and the Spread of COVID-19: Simiao Chen, Klaus Prettner, Michael Kuhn, Pascal Geldsetzer, Chen Wang, Till Bärnighausen & David E. Bloom