Coronavirus

Hoher Antikörperspiegel bot bei Delta Infektionsschutz

„Wie hoch muss mein Antikörperspiegel sein, damit ich vor einer Corona-Infektion geschützt bin?“ - Diese Frage stellten sich in den vergangenen Jahren wohl viele Menschen. Dass es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen der Zahl der Antikörper und einem Schutz vor Infektion gibt, haben nun Wissenschafter der Meduni Innsbruck bestätigt. Dennoch - wie hoch dieser Wert bei Omikron sein muss, darüber lasse sich keine Aussage treffen, hieß es.

red/Agenturen

Nachdem im Tiroler Bezirk Schwaz im Frühling des vergangenen Jahres die Südafrika-Variante ausgebrochen war folgte eine Sonderimpfaktion. Drei Viertel der im Bezirk lebenden Menschen wurden mit dem Biontech/Pfizer-Vakzin zur selben Zeit geimpft. Forschende des Instituts für Virologie und des Teams für Klinische Epidemiologie der Medizinischen Universität Innsbruck untersuchten in einer Studie, wie viele Menschen nach der zweiten Impfung trotzdem eine Infektion erlitten. Im Fokus stand, wie die Immunantwort - in Form von Antikörpern sowie der zellulären Immunität - vor einer Infektion schützen kann, erklärte der Epidemiologe Peter Willeit.

„Menschen, die höhere Antikörperspiegel nach der Impfung entwickelten, hatten einen höheren Schutz“, resümierten Willeit und seine Co-Autorin, die Virologin Wegene Borena. Der Wissenschafter erklärte dies anhand eines Beispiels: „Wenn man zwischen 2.000 und 3.000 (BAU/ml, Binding Antibody Units, Anm.) lag, war die Inzidenz halbiert, wenn man über 3.000 lag, betrug die Inzidenz nur noch ein Fünftel“. Diese Erkenntnisse können für Prognosen und die Erstellung von Modellen wesentlich sein, sagte Willeit.

„Bei Alter und Geschlecht haben wir keinen signifikanten Unterschied gesehen, wer eine Infektion trotz Impfung durchmachte“, stellte die Virologin Borena fest. Sie gab zu Bedenken, dass sich diese Erkenntnisse lediglich auf die Delta-Variante beziehen. Denn um eine Infektion trotz Impfung bei der Omikron-Variante zu verhindern, seien wesentlich höhere Antikörperspiegel vonnöten. „Wenn die Studie von November bis März gegangen wäre, hätten wir einen anderen Bericht“, räumte sie ein.

Willeit erinnerte daran, dass das Nationale Impfgremium (NIG) klar sage, dass „eine Antikörperbestimmung zur Erkennung einer unbemerkten Immunität nicht als Entscheidungsgrundlage dienen soll, ob man sich impfen lässt“. Anders verhalte sich dies bei immunsupprimierten Menschen oder bei Menschen mit Immunschwäche nach der Impfung. Hier mache es durchaus Sinn zu schauen, „wo steht diese Person“. Aber die drei Impfungen seien „unabhängig davon empfohlen“.

Impfung bot guten Schutz

Für die beiden Forschenden zeigte sich durch ihre Studie einmal mehr, dass die Impfung vor einer Infektion bzw. vor schweren Verläufen schützt. Von 2.760 Menschen, die teilgenommen hatten, hatten 68 trotz Impfung eine Infektion. Drei Viertel von ihnen hatten Symptome, aber einen leichten Verlauf. Eine Person benötigte eine Versorgung im Krankenhaus, niemand verstarb mit oder an einer Infektion, führten sie aus.

Die Studie war in drei Teile gegliedert worden: Zu Beginn - etwa fünf Wochen nach der zweiten Impfung - wurde über einen Fragebogen etwa erhoben, ob man Impfreaktionen hatte oder bereits eine Infektion durchgemacht hatte. Dann folgte eine Blutabnahme, um zu testen, ob jemand bereits Antikörper aufweise. Im dritten Teil machten die Menschen, die durchschnittlich 47 Jahre alt waren, wöchentlich sechs Monate lang einen Antigen- oder nach Möglichkeit einen PCR-Test, um auch asymptomatische Infektionen zu entdecken. Zu guter Letzt wurden noch einmal Antikörpertests gemacht.

Die Studie wurde nun auf einem Preprint-Server (vor Peer-Review durch Experten) veröffentlicht. Für Willeit und Borena war die Bereitschaft der Bevölkerung, bei einer solchen Studie teilzunehmen, überraschend hoch. Es sei auch die Stärke dieser Untersuchung, dass es sich um keine Zulassungsstudie handle, sondern „sozusagen aus dem richtigen Leben“ in der Bevölkerung durchgeführt wurde, meinten sie.

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Omikron Coronavirus
„Man muss auch auf den ungünstigen Fall vorbereitet sein“, mahnte die Virologin Dorothea van Laer.
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