Innsbrucker Experte: Effektivere Parkinsonbehandlung in zehn Jahren

Der Innsbrucker Neurologe und Parkinson-Experte Werner Poewe geht davon aus, dass in rund zehn Jahren eine noch effektivere, an den Krankheitsursachen ansetzende Parkinson-Behandlung möglich sein wird. Um dorthin zu gelangen, seien aber eine gute Datenlage durch möglichst viele Risiko-Screenings - etwa mit Online-Befragungen - und eine Diversifizierung der Medikamente und Therapien, vonnöten, sagte er im APA-Interview.

red/Agenturen

Zentral sei dabei aber vor allem auch die Früherkennung, strich der Neurologe deutlich heraus. „Diesbezüglich gab es bereits einen wissenschaftlichen Paradigmenwechsel“, merkte er an. Man richte mittlerweile den Blick nicht mehr ausschließlich auf die Diagnose - wenn Parkinson-Symptome, etwa Zittern und Steifigkeit bereits aufgetreten seien - sondern vorrangig auch auf die „Prozesse im Gehirn, die bereits viel früher anfangen“, so Poewe, der weltweit als einer der renommiertesten Experten auf dem Gebiet der Parkinson-Forschung gilt.

Exakt bei diesem Umdenken kämen auch Risiko-Screenings ins Spiel, die im Moment weltweit ein Thema würden, stellte er fest. „Aktuell arbeiten wir dabei schon mit sogenannten Risiko-Scores, bei denen wir simple Fragen nach Raucher oder Nichtraucher-Sein, Verwandte mit Parkinson-Erkrankung oder Geruchssinn-Störungen stellen“, berichtete der an der Universitätsklinik Innsbruck tätige Neurologe.

Gegenwärtig gelte es, diese „Screening-Praxis“ verstärkt auch in die Onlinewelt zu hieven, strich Poewe heraus. „Derzeit läuft beispielsweise eine Kollaboration mit Luxemburg und Spanien, bei der wir gemeinsam den Risiko-Score online erheben wollen“, so der Experte. Man visiere dazu die Bevölkerungsgruppe über 50 an und hoffe in Tirol auf 5.000 bis 10.000 Teilnehmer.

Neue Medikamente und Therapien

Allein das Wissen um Risikogruppen, Risikofaktoren und einer damit einhergehenden möglichen Früherkennung reiche aber nicht aus, hielt Poewe fest. Man könne damit zwar letztlich mehr als nur eine Diagnose der Krankheit stellen, nämlich eine gezielte Diagnose des Risikos, man müsse zugleich aber auch die Entwicklung von Medikamenten und Therapien vorantreiben, sagte er.

Diese sollen künftig die Krankheit nicht nur behandeln, sondern deutlich bremsen. „Schon jetzt kann man etwa das Zittern der Hand mit Medikamenten wegbringen“, erklärt Poewe. Mit neuen Medikamenten und Therapie-Ansätzen wolle man schließlich erreichen, nicht nur Symptome „wegzudrücken“, sondern die „Zunahme einer Behinderung durch die Krankheit wegzubringen“, verdeutlichte der Neurologe.

Es gebe bereits vielversprechende Studien zu Immuntherapien, mit Hilfe derer man gegen die bei Parkinson typische Verklumpung des Nervenzell-Eiweißstoffes Synuklein vorgehen kann. „In den nächsten fünf Jahren werden wir wissen, wie gut diese Therapie wirklich funktioniert“, gab Poewe Einblicke in den aktuellen Stand der Dinge. Insgesamt gelte es vor allem zu differenzieren: „Nicht jedes Medikament und jede Therapieform eignet sich für jeden Subtyp von Parkinson“.

In der weltweiten „Woche des Gehirns“ finden vom 14. bis 18. März auch an der Medizinischen Universität Innsbruck fünf Vorträge statt. Am 17. März wird in diesem Rahmen Werner Poewe zum Thema „Neues zur Parkinson-Krankheit - aktuelle Entwicklungen in Diagnostik und Behandlung“ sprechen.