Koloskopie-Vorsorge verringert Krebshäufigkeit und Sterblichkeit

Durch Vorsorge-Koloskopien ab dem Alter von 50 Jahren im Abstand von sieben bis zehn Jahren ließen sich die Häufigkeit und die Sterblichkeit durch Dickdarmkarzinome drastisch senken. In Deutschland konnte dadurch die Kolonkarzinom-Mortalität um bis zu 40 Prozent reduziert werden, hat jetzt eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ/Heidelberg) ergeben.

red/Agenturen

Seit vielen Jahren wird von den Krebsspezialisten die Darmspiegelung zur Vorsorge - also zur Entdeckung von noch gutartigen Darmpolypen - und zur Früherkennung von Karzinomen propagiert. „Etwa 25 Prozent der Menschen ab dem Alter von 50 Jahren haben solche Darmpolypen. 40 Prozent werden bösartig oder sind zum Zeitpunkt der Entdeckung bereits bösartig, also Karzinome", sagte der Wiener Chirurg Friedrich Weiser, gegenüber der APA.

Die wichtigste und im Vergleich zu anderen Vorsorge- bzw. Früherkennungsuntersuchungen auf Krebs deutlich treffsicherere Vorsorge wäre die Koloskopie. Man geht davon aus, dass bei einer flächendeckenden Durchführung bei Personen ab 50 und im Abstand von sieben bis zehn Jahren der allergrößte Teil der Erkrankungen überhaupt verhinderbar und die Todesraten durch Dickdarmkrebs drastisch reduzierbar wären. „Wir hatten aber vor der Corona-Pandemie in Österreich für Vorsorge und Diagnose zusammen nur rund 300.000 Koloskopien pro Jahr. In Österreich gibt es pro Jahr rund 4.500 Neuerkrankungen und 2.700 Todesfälle", sagte Weiser.

In Deutschland wurde bereits 2002 die Koloskopie in das Primärvorsorgeprogramm der Krankenkassen aufgenommen. Auf den Effekt musste man einige Jahre warten. Jetzt belegt eine im Deutschen Ärzteblatt erschienene Studie von Rafael Cardoso und dessen Co-Autoren vom Deutschen Krebsforschungszentrum eindeutig eine deutlich positive Wirkung.

„Die altersstandardisierte Inzidenz (Häufigkeit von Neudiagnosen pro 100.000 Personen und Jahr; Anm.) ging bei Männern (Beobachtungszeitraum: 2000 bis 2016; Anm.) um 22,5 Prozent (...) und bei Frauen um 25,5 Prozent (...) zurück", schrieben die Fachleute. Das ist offenbar der Effekt der allfälligen Entdeckung von Krebs-Vorstufen oder noch gutartigen Darmpolypen die häufig sofort bei der Koloskopie mit einer Drahtschlinge ohne Operation entfernt werden können.

Noch deutlicher war der Rückgang der Dickdarmkrebs-Sterblichkeit, wie die Experten anmerkten: „Die Mortalität bei Männern sank um 35,8 Prozent (...) und um 50,5 Prozent (...) bei Frauen.“ Bei der Sterblichkeit durch kolorektale Karzinome dürfte sich besonders der Früherkennungseffekt ausgewirkt haben. So wurden im Jahr 2000 in ganz Deutschland noch 30 Prozent der Dickdarmkrebs-Neudiagnosen im nicht mehr heilbaren Spätstadium IV gestellt. 2016 war dieser Anteil um zehn Prozent (27 Prozent) geringer. Gleichzeitig stieg der Anteil der echten Dickdarmkrebsdiagnosen im durch Operation gut heilbaren Frühstadium I von 17 auf 19 Prozent.

Fazit für die deutschen Fachleute: „Die Ergebnisse unterstützen die Annahme, dass der vermehrte Einsatz der Koloskopie zu erheblichen Reduktionen der Inzidenz kolorektaler Karzinome und der Mortalität an Karzinomen im gesamten Kolon (Dickdarm; Anm.) und Rektum (Enddarm; Anm.) beigetragen hat."

In Österreich gab es jahrzehntelang Diskussionen über die Etablierung eines echten Koloskopie-Vorsorgeprogramms im Rahmen der Gesundenuntersuchung. In Vorarlberg konnte mit einem landesweiten Programm eine Beteiligung von rund 30 Prozent erreicht werden. „Österreichweit hatten wir vor der Pandemie aber nur eine Beteiligung von rund 16 Prozent", sagte Weiser. Geholfen hätte jedenfalls die seit einiger Zeit erfolgende Übernahme der Kosten der medikamentösen Sedierung durch die Krankenkassen, was die Untersuchung leichter macht. In Österreich entfallen rund elf Prozent der Krebstodesfälle auf Darmkrebserkrankungen. Das sind pro Jahr derzeit rund 2.000 an Kolonkarzinomen Verstorbene.