Neuer Band: Wie Österreich zu Beginn der Covid-19-Pandemie lebte

Während hierzulande die letzten Coronaregeln am Mittwoch fast komplett verschwinden, nimmt ein neuer Sammelband seine Leser mit zurück in die Anfangszeit der Covid-19-Pandemie. Auf Basis mehrerer Umfragen haben u.a. Soziolog:innen der Abteilung für empirische Sozialforschung der Universität Linz (JKU), in Zusammenarbeit mit den Universitäten Graz und Salzburg, erforscht, wie sich das Leben im Land während der ersten Infektionswelle verändert hat.

red/Agenturen

Der Sammelband „Österreich in der ersten Phase der Covid-19 Pandemie“ ist auch als „Open Access“-Veröffentlichung frei im Internet verfügbar. Dies liegt unter anderem am Ziel, welches sich die Gruppe der Herausgeber um Dimitri Prandner von der JKU Linz mit der Publikation gesetzt hat. Dieses ist, die Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen und damit eine tiefergehende Reflexion über die österreichische Gesellschaft während der Corona-Pandemie zu ermöglichen. „Natürlich sind oftmals komplexere statistische Verfahrensdarlegungen kein Ersatz für gute Belletristik, aber wir hatten die Hoffnung, dass wir mit einem Hintergrundkapitel zu Methodik und Analysetechniken, durchaus Interesse wecken und auch Verständnis für unsere Arbeit schaffen können“, so Prandner gegenüber der APA.

Der Sammelband unterteilt sich in drei Teile. Zuerst wird der Alltag der Menschen während der Pandemie beleuchtet. Hierbei werden vom Arbeits- und Familienleben bis hin zur Bedeutung von Religiosität verschiedene Lebensbereiche genauer betrachtet, die im ersten Lockdown stark eingeschränkt wurden. So habe sich zwar beispielsweise laut der Umfragen der Stellenwert der Familie nicht signifikant verändert, jedoch verloren Arbeit und Beruf bei den befragten Männern durchaus an Relevanz.

Solidarität und Werte in der ersten Pandemie-Phase

Im zweiten Teil geht es vor allem um das Thema Solidarität, während sich die Kapitel im dritten Teil eher um zukunftsgerichtetere Fragestellungen drehen, wie etwa Erwartungen und Werteorientierung. Prandner selbst schreibt hier darüber, dass sich das Vertrauen in traditionelle Medien, wie etwa die Fernsehnachrichten verstärkt habe. „Allgemeingesprochen zeigt dieses Ergebnis, dass trotz aller Digitalisierungstendenzen die Menschen in Österreich immer noch vergleichsweise stark an traditionellen Medien festhalten und neue Medien als Zusatz aber nicht als Ersatz gesehen werden. Entsprechend ist diese Erkenntnis nicht unbedingt überraschend. Insbesondere da auch in weiten Teilen der Bevölkerung der Missmut und die Skepsis gegenüber neuen bzw. sozialen Medien wächst“, so der Ko-Herausgeber.

Die Beschäftigung mit dem Thema seitens der Sozialwissenschaften begann relativ früh. Quasi mit Beginn des ersten Lockdowns konnten in Österreich bereits Online-Studien begonnen werden, die eine engmaschige Beobachtung der öffentlichen Meinung ermöglichten. Das „Austrian Corona Panel Project“ (ACPP), das von der Universität Wien initiiert wurde, stellt dabei die wichtigste Quelle zur Analyse der öffentlichen Meinung in Österreich während der Pandemie dar.

Bereits im Mai 2020 begann auch die erste Erhebung einer international vergleichenden Umfrage zu Werten in der Krise (“Values in Crisis“, VIC). Die österreichspezifischen Ergebnisse werden ebenfalls in der Publikation aufgezeigt. Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Umfragen war für Prandner, dass viele Aspekte, die positiv gelesen werden können, wie etwa Solidarität und Unterstützungstätigkeiten, zwar anfangs sehr starken Zuspruch erhielten, sich aber schnell wieder normalisierten und teilweise sogar in das Gegenteil umschlugen.