Pflaster als Fiebermesser: Sensor-Patch misst Temperatur 24/7

Mit einem kleinen Pflaster mit integriertem Temperatursensor will ein steirisches Start-up die Körpertemperaturmessung revolutionieren. Das intelligente Sensorpflaster ermöglicht die Messung der Körpertemperatur rund um die Uhr und liefert damit fortlaufend Daten, die Aufschluss über Erkrankungen wie etwa Infektionen, sowie deren Verlauf geben. Mittlerweile ist es als Medizinprodukt zugelassen, berichtete das Unternehmen SteadySense gegenüber der APA.

red/Agenturen

Bereits vor rund zwei Jahren hat das in Seiersberg-Pirka bei Graz beheimatete Unternehmen ein Hautpflaster entwickelt und auf den Markt gebracht, das mit seiner Temperaturmessung die fruchtbaren Tage ihrer Trägerinnen erkennen soll: Der Temperaturanstieg zur Zyklusmitte zeigt die fruchtbaren Tage an. Das Pflaster wird unter der Achsel angebracht, der Temperatursensor wird mittels einer App aktiviert, die gemessenen Werte werden gespeichert und via NFC (Nahfeldkommunikation, wie sie etwa auch beim kontaktlosen Bezahlen eingesetzt wird) ausgelesen. Die Trägerin kann also über ihr Handy den Verlauf ihrer Temperaturkurve mitverfolgen, die auf fünfminütige Messintervalle beruht.

"Mittlerweile haben wir damit mehr als 10.000 Schwangerschaften unterstützt, doch wir haben immer auch medizinische Anwendungen im Blick gehabt“, schilderte Peter Gasteiner, Co-Founder des im Jahr 2016 gegründeten Unternehmens im Gespräch mit der APA. Während der Corona-Pandemie hat sich das Unternehmen, das zum steirischen Humantechnologie Cluster HTS zählt, dann einem weiteren Anwendungsbereich für die smarte Messtechnologie zugewandt: Die kontinuierliche Erfassung der Körpertemperatur, um mögliche Infektionen durch Änderungen im Temperaturverlauf schon im frühen Stadium zu erkennen. Das Sensorpflaster wurde sozusagen zum smarten Fieberthermometer (SteadyTemp) weiterentwickelt. Selbst Duschgänge seien damit möglich, nach rund einer Woche sollte es jedoch gewechselt werden. „Die Sensortechnologie ermöglicht eine kontinuierliche Messung, die nicht als lästig empfunden wird“, fasste Gasteiner zusammen.

"Das Ergebnis einer Studie, die gemeinsam mit der Medizinischen Universität Graz durchgeführt wurde, bestätigt die Annahme, dass für eine medizinische Diagnose weniger ein einzelner Temperaturwert, sondern vielmehr der Temperaturverlauf ausschlaggebend ist“, wie der geschäftsführende Gesellschafter betonte. „Unsere Studie hat eine sehr gute Übereinstimmung von SteadyTemp mit invasiven Temperaturmesssystemen gezeigt“, führte Robert Krause, Infektiologe an der Med-Uni Graz, der an der klinischen Studie beteiligt war, weiter aus. Aus seiner Sicht könnte das Pflaster ein gutes diagnostisches Hilfsmittel bei der Charakterisierung von Fiebermustern sein.

"Die Erfassung der Körpertemperatur und deren Verlauf inklusive der automatischen Übertragung der Daten in elektronische Akten und Fieberkurven wäre sehr vorteilhaft. Der Markt ist riesig, denn Temperaturkurven liefern sehr wichtige Informationen über mögliche Ursachen für verschiedene Krankheiten“, hob Krause hervor. Bei einer Infektion beginne das Immunsystem des Körpers bereits sehr früh zu reagieren, was sich auch im Körpertemperaturverlauf widerspiegelt, ergänzte Gasteiner. Mit dem Sensorpflaster sei man sozusagen „am Puls des Immunsystems“.

Man habe auch erste Temperaturdaten bei Covid-19-Fällen erhoben. Die Temperaturverläufe hätten „wesentlich früher angeschlagen“ als gängige Antigen-Tests. „Damit eröffnen sich weitere Einsatzgebiete, die bei der Bekämpfung der Pandemie eine wesentliche Rolle spielen. Da stehen wir aber noch ganz am Anfang“, blickte Gasteiner in die Zukunft.

Der Zertifizierungsprozess für das Produkt sei abgeschlossen, nun könne der Vertrieb europaweit ausgerollt werden. Vorerst zielt das Start-up auf Spitäler, Kliniken und Pflegeheime ab. Über Apotheken will man das smarte Thermometer auch zur Heimanwendung anbieten. Zulassungen für Märkte in Japan, Australien, Mexiko, Afrika und Indien stünden weiters am Programm. Insgesamt habe das Produkt eine sehr hohe österreichische Wertschöpfung, wurde betont: Die Entwicklung des Chips stammt aus Österreich, AT&S assembliert die Elektronik, SteadySense kalibriert und Lohmann & Rauscher laminiert die Pflaster.