Umfrage

Viele Mitarbeiter der Salzburger Landeskliniken überlastet

Sechs von zehn Beschäftigten der Salzburger Landeskliniken (SALK) fühlen sich einer aktuellen Umfrage zufolge am absoluten Belastungslimit. Mehr als die Hälfte können Zeitdruck und Stress kaum noch bewältigen, im Pflegebereich sind es sogar 61 Prozent. Das zeigt nun eine Befragung des Meinungsforschungsinstitut IFES im Auftrag der Arbeiterkammer. Laut dem Salzburger AK-Präsidenten Peter Eder sind die schlechten Werte aber nur bedingt auf die Corona-Pandemie zurückzuführen.

red/Agenturen

„Corona hat vielleicht als negatives Sahnehäubchen die Situation noch einmal zugespitzt“, sagte der AK-Chef. „Aber wir haben 2018 schon die idente Umfrage gemacht - da haben sich bei Arbeitszufriedenheit und Belastungen keine Verbesserungen gezeigt.“ Zwar habe eine eigene Fragebatterie zum Thema Corona Probleme wie ständig neue Verordnungen oder anfangs kaum ausreichende Schutzbekleidung an den Tag geführt. „Dafür konnte der Arbeitgeber aber nichts.“

Zur Teilnahme an der Befragung waren - mit Ausnahme der Ärzte - rund 6.000 SALK-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgerufen. Rund 1.200 - und damit 20 Prozent - haben geantwortet. „Zeitdruck und Stress und die davon ausgelösten Belastungsfaktoren ziehen sich wie ein roter Faden durch alle Ebenen“, sagte Eder. Als Hauptgründe wurden Personalknappheit und Umstrukturierungen angegeben. Vor allem im Pflegebereich würden kurzfristig angeordnete Rufbereitschaften und Einspringerdienste an der Tagesordnung stehen.

„Die Arbeitsbedingungen müssen besser werden. Es braucht vor allem mehr Personal, und zwar im dreistelligen Bereich“, forderte Eder. Mehr qualifiziertes Pflegepersonal würde nicht nur für weniger Stress sorgen und die Erholungsmöglichkeiten verbessern, sondern auch wieder mehr Zeit mit den Patienten ermöglichen. Positiv stimme ihn, dass der Großteil der Befragten (62 Prozent) trotz allem sehr gerne diesen Job mache.

Auch Übergriffe machen Personal zu schaffen

Ein weiterer Punkt, der die SALK-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter belaste, seien Übergriffe seitens Patientinnen und Patienten oder deren Angehörigen: 56 Prozent der Befragten sind beinahe täglich von verbalen Übergriffen betroffen und 14 Prozent waren schon einmal mit Tätlichkeiten und Handgreiflichkeiten in der Arbeit konfrontiert. Auch daran hat sich seit dem Jahr 2018 nichts verbessert.

SALK-Geschäftsführer Paul Sungler verwies auf APA-Anfrage auf die 150 bis 160 Pflegestellen, die momentan fehlen würden. Und das durchaus als direkte Folge der Corona-Pandemie. Viele Mitarbeiter seien in der Coronakrise vorzeitig in Pension gegangen, andere wurden dienstfrei gestellt, weil sie als Hochrisikogruppen galten. „Darüber hinaus haben wir gerade 50 offene Stellen, die wir nicht besetzen können - und 152 schwangere Mitarbeiterinnen.“ Die Politik habe aber bereits reagiert - etwa mit einem zweiten Lehrgang für Pflegeausbildung an der Fachhochschule Salzburg.

Zur Präsentation der AK-Studie selbst sei man heute nicht eingeladen gewesen. „Persönlich kann ich darum nur sagen, dass wir nach der Studie von 2018 in sehr vielen Bereichen reagiert haben. Es gibt sicher nach wie vor den einen oder anderen Kritikpunkt, das muss ich mir aber erst im Detail ansehen.“

Was Fälle von Übergriffe auf die Belegschaft betrifft, verwies Sungler auf eine Reihe bereits umgesetzter Maßnahmen - etwa Team- und Deeskalationstrainings, eine eigene Hotline bei Gewalt und sexuellen Übergriffen oder Unterstützung durch den psychosozialen Dienst.

 

 

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Sechs von zehn Beschäftigten der Salzburger Landeskliniken sind laut einer Umfrage absolut am Limit.