Faktencheck

Anzahl der Tests geht nicht mit Inzidenz einher

Ein in den vergangenen zwei Wochen mehr als 1000 mal geteiltes Facebook-Posting will mithilfe einer Rechnung zeigen, dass der Inzidenzwert steigt, je mehr Personen getestet werden, während der prozentuelle Anteil positiv Getesteter (Positivitätsrate) gleich bleibt. Daraus entsteht der Eindruck, dass die 7-Tage-Inzidenz (durchschnittliche Anzahl von Corona-Infizierten pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche) direkt mit der Anzahl der durchgeführten Tests einhergeht.

red/Agenturen

Zu überprüfende Information

Die 7-Tage-Inzidenz geht automatisch mit der Anzahl der durchgeführten Tests einher.

Einschätzung

Die Zahlen der durchgeführten Tests der vergangenen Wochen zeigen im Vergleich zu den Zahlen der positiven Tests, dass es keinen direkten Zusammenhang gibt. Vielmehr zeigt eine sinkende Positivitätsrate einen Rückgang des Infektionsgeschehens. Bei der Bewertung der Situation in Österreich wird nicht nur der Inzidenzwert herangezogen.

Überprüfung

Im Wesentlichen macht die vorliegende Rechnung Sinn. Bei einem Anstieg getesteter Einwohner in einer homogenen Gruppe mit gleichbleibender Positivitätsrate wird auch die Inzidenz in dieser Gruppe ansteigen. Allerdings ist die Positivitätsrate keine Konstante, sondern gibt je nach Höhe darüber Auskunft, inwiefern der Anteil der positiv getesteten Personen die Ausbreitung des Virus in der Bevölkerung widerspiegelt.

Die Österreichische Agentur für Gesundheit (AGES) veröffentlicht täglich den sogenannten Inzidenzwert, der anzeigt, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tagen positiv auf das Coronavirus getestet werden. Während dieser Wert seit einigen Wochen sinkt, ist die Anzahl der Tests annähernd gleich hoch geblieben.

Laut dem Covid-Dashboard, das die Daten der AGES heranzieht, lag die 7-Tage-Inzidenz am 13. April 2021 bei 206, am 8. Mai 2021 bei 104. Vergleicht man diese Entwicklungen mit der Anzahl der Testungen, zeigt sich, dass die Anzahl der Testungen kaum abgenommen hat. Am 13. April 2021 wurden rund 350.000 Testungen verzeichnet, am 8. Mai 2021 waren es rund 310.000 Testungen. Während sich die Inzidenz also fast halbiert hat, gab es nur um rund 11 Prozent weniger Tests.

Obwohl das oben erwähnte Facebook-Posting von einer gleichbleibenden Positivitätsrate ausgeht, schwankt diese in der Realität jedoch erheblich und ist regional unterschiedlich hoch. Lag die nationale Rate am 13. April bei 5 Prozent, wurde am 8. Mai eine Positivitätsrate von 2 Prozent verzeichnet. Somit ist bei annähernd gleich hohen Testzahlen der Anteil der positiv Getesteten zurückgegangen, was der Theorie widerspricht, dass mehr Tests generell für mehr positive Ergebnisse sorgen.

Je kleiner die Anzahl der Tests ist, desto ungenauer werden die 7-Tages-Inzidenzen, da die Infektionszahlen regional schwanken und die Dunkelziffer höher ist. Diesen Umstand erklärt auch die deutsche Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Die Positivitätsrate kann einen wichtigen Hinweis auf Handlungsbedarf bei der Zahl der Testungen geben. Ist die Rate nämlich besonders hoch, könnte es ein Zeichen sein, dass zu wenig getestet wird. In Indien etwa ließ eine gleichzeitig mit der Anzahl der Infektionen stark steigende Positivitätsrate in fast allen Regionen laut „Financial Times“ darauf schließen, dass auch die Zahl der unentdeckten Infizierten immer mehr in die Höhe ging.

Festzuhalten ist, dass die Inzidenz nicht die einzige Kennzahl ist, aufgrund derer Entscheidungen getroffen werden. So trifft etwa die österreichische Corona-Kommission ihre Einschätzung unter Berücksichtigung des Übertragungsrisikos, der Rückverfolgbarkeit der Übertragungsketten, der Testaktivität und der Ressourcenauslastung der Spitäler.