Coronavirus

Causa HG Pharma: Land prüft, Firma weist Vorwürfe zurück

Die Prüfungen des Landes Tirol bezüglich des Unternehmens HG Pharma, das bis dato in Tirol für die Abwicklung eines Großteils der PCR-Tests verantwortlich war, und damit die Entscheidung, wie und ob es mit der Zusammenarbeit mit der Firma weitergehen soll, haben am Donnerstag zunächst noch angedauert. Die Firma selbst wies indes in einer Aussendung sämtliche Vorwürfe zurück.

red/Agenturen

Derzeit würden Gespräche mit allen Systempartnern laufen, hieß es vom Land gegenüber der APA. Es gehe dabei um die Zeit bis zum 30. Juni, dann sei der Vertrag mit der HG Pharma ohnehin zu Ende. Parallel werde bereits eine europaweite Ausschreibung für die Zeit nach dem 30. Juni vorbereitet. Die Möglichkeiten, wie es in der Zwischenzeit weitergeht, werden derzeit in alle Richtungen geprüft.

Indes wies die Firma Lab Truck GmbH, eine Tochter der HG Pharma, „sämtliche Vorwürfe, die in den vergangenen Tagen gegen das Unternehmen in der Öffentlichkeit und in diversen Medien kommuniziert wurden“, zurück. Die Beauftragung der Lab Truck GmbH erfolgte durch das Land Tirol im September 2020, weil das Laborangebot im Herbst nicht ausreichend gewesen sei und Lab Truck als einziges Unternehmen eine nicht stationäre, voll digitalisierte Laboreinheit anbieten konnte, hieß es.

Die Qualität werde durch interne und externe Audits sowie Ringversuchen national wie international geprüft. Diese Qualitätssicherung werde zum einen intern täglich und von externen staatlichen Einrichtungen wöchentlich durchgeführt, unter anderem von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, so das Unternehmen.

Die Behauptungen von Falschbefundungen wies Lab Truck auf das Schärfste zurück. Gehe man allgemein von einer Fehlerquote von einem Prozent aus, so liegen diese von rund 220.000 bisher von Lab Truck durchgeführten Analysen bei 0,01 Prozent. Bei speziellen Submutationen, zu denen es noch keine validen Untersuchungen gebe, könne es zu Schwankungen im Promillebereich kommen, weil es zu neu entstandenen Submutationen noch keine vergleichbaren, validen Daten gebe. Die Befundungen seien von mindestens sieben Wissenschaftern, u.a. Molekularbiologen, Pharmakologen, Pharmazeuten, Biomedizinern und Biochemikern durchgeführt worden.

Am Mittwoch hatte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) erklärt, die Zusammenarbeit mit dem schwer unter Beschuss geratenen Chef bzw. Gründer der HG Pharma, Ralf Herwig, zu beenden. Kurz zuvor hatte sich Herwig aber schon von sich aus aus dem operativen Geschäft der Firma zurückgezogen - aus gesundheitlichen Gründen, wie das Unternehmen am Donnerstag bekannt gab.

Die Vergabe des Tiroler Auftrags für PCR-Tests im Wert von acht Mio. Euro an die HG Pharma hatte für massive Kritik gesorgt, weil gegen den Firmengründer ein Verfahren wegen mutmaßlicher Behandlungsfehler läuft. Außerdem steht der Verdacht im Raum, die Firma würde die fachlichen Voraussetzungen für die Tests nicht erfüllen. Die positiven PCR-Tests der Firma waren tatsächlich positiv, lediglich bei der Zuordnung zu einer Mutation (ob B.1.1.7 oder B.1.1.7 mit E484K-Zusatz) war es offenbar zu Ungenauigkeiten gekommen.

Der Klubobmann der Tiroler Grünen, Gebi Mair, erklärte am Donnerstag gegenüber dem ORF Tirol, dass die Grünen einen Fragenkatalog zu der Causa verfasst haben. Man wolle wissen, ob die HG Pharma das Land absichtlich getäuscht habe. Zudem sei zu klären, ob man vonseiten der Landessanitätsdirektion alles unternommen habe, was an Kontrollen nötig ist, um eine mögliche Täuschung zu verhindern.

FPÖ-Landesparteiobmann Markus Abwerzger und FPÖ-Tourismussprecher und Abg. Gerald Hauser forderten indes aufgrund der Causa HG Pharma Platters Rücktritt. „Es hat sich nun endgültig 'ausgeplattert' im Land Tirol. Der ÖVP-Landeshauptmann muss endlich die Konsequenzen aus diesem 'PCR-Test-Skandal' ziehen und sofort zurücktreten“, betonten die beiden Politiker in einer Aussendung. Die Ankündigung von Platter 2023 wieder als Spitzenkandidat in die Landtagswahl zu gehen, sahen indes die Tiroler NEOS problematisch. „Tirol braucht einen Neustart. Ein Comeback zu den strukturellen Problemen vor Corona, die uns gerade in der Krise massiv belastet haben, darf es nicht geben“, so Klubobmann Dominik Oberhofer.