Coronakrise

Zahl der Antibiotika-Verschreibungen während Pandemie auf Rekordtief

Die Zahl der Antibiotika-Verschreibungen in Deutschland ist während der Corona-Pandemie auf ein Rekordtief gesunken. Im Vergleich zu 2019 gingen die Verschreibungen 2020 um knapp 24 Prozent auf 2,85 Tagesdosen pro versicherter Erwerbstätiger zurück, wie die Techniker Krankenkasse (TK) am Freitag mitteilte. Besonders stark fiel der Rückgang demnach mit einem Minus von 44 Prozent zu Beginn der Pandemie im April 2020 aus.

red/Agenturen

„Die Einhaltung der Hygieneregeln hat insgesamt für deutlich weniger Infektionen gesorgt“, erklärte Tim Steimle von der TK. Grund für den Rückgang sei aber auch, dass weniger Versicherte überhaupt zum Arzt gegangen seien und beispielsweise die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung genutzt hätten. Dadurch seien auch weniger Arzneimittel verordnet worden.

Den Daten zufolge setzte sich während der Pandemie ein langfristiger Trend fort. Demnach bekommen immer weniger Patienten bei einer Erkältung ein Antibiotikum verschrieben. 2010 wurde etwa jedem dritten Versicherten, der wegen einer Erkältung krankgeschrieben war, ein Antibiotikum verschrieben. Zehn Jahre später waren es nur noch rund 14 Prozent. Vor allem im Vergleich zu 2019 war der Rückgang im vergangenen Jahr besonders deutlich. Statt 21 Prozent erhielten nur 14 Prozent ein Antibiotikum.

Die große Mehrheit der Erkältungsinfekte mit Symptomen wie Schnupfen oder Husten wird durch Viren hervorgerufen. Antibiotika helfen aber nur gegen Bakterien. Durch den falschen Einsatz dieser Arzneimittel können multiresistente Keime entstehen, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken.

In Österreich dokumentiert der jährliche AURES-Bericht den Antibiotikaverbrauch sowie Resistenzentwicklungen.

AGES