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Pharmakonzern AstraZeneca steigerte 2020 Gewinn deutlich

Der Pharmakonzern AstraZeneca will nach einem Umsatz- und Gewinnplus im vergangenen Jahr auch 2021 weiter zulegen. Schub erhoffen sich die Briten weiter von neuen Arzneien und durch die geplante Übernahme des US-Wettbewerbers Alexion. Wegen der weiter grassierenden Coronapandemie gehe der Konzern aber mit „gewisser Vorsicht“ in das neue Jahr, betonte Finanzchef Marc Dunoyer am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Cambridge.

red/Agenturen

Im neuen Jahr peilt das Management um Konzernchef Pascal Soriot zu konstanten Währungen ein Umsatzplus im niedrigen Zehnerprozent-Bereich an, wie das Unternehmen am Donnerstag in Cambridge mitteilte. Der Kerngewinn je Aktie soll auf 4,75 bis 5,00 Dollar (3,92 bis 4,12 Euro) steigen, das wäre ein Plus von 18 bis zu 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert. AstraZeneca würde damit sein Tempo 2021 im Vergleich zu 2020 beschleunigen.

An der Börse legte die Aktie zuletzt um knapp zwei Prozent zu. Analysten reagierten allerdings verhalten: Der Ausblick für den Umsatz sei zwar stark, bewege sich beim Gewinn je Aktie aber nur im Rahmen der Erwartungen, schrieb Jefferies-Analyst Peter Welford. Laut Branchenkenner Keyur Parekh von Goldman Sachs könnten nun die Marktschätzungen für die bereinigte Marge sinken.

Nicht in die Prognose einberechnet sind die Übernahme von Alexion sowie das Geschäft mit dem Corona-Impfstoff. Die Umsätze des gemeinsamen Vakzins mit der Universität Oxford sollen ab dem kommenden Quartal separat ausgewiesen werden, hieß es weiter.

Das Vakzin hatte für Verstimmungen mit der EU gesorgt, da AstraZeneca im ersten Quartal deutlich weniger liefern will als zuvor angekündigt. Im Vereinigten Königreich laufen die Lieferungen hingegen recht problemlos weiter. Der Konzern erklärt dies damit, dass die EU ihren Vertrag später verhandelt und unterzeichnet hat. Im zweiten Quartal sollen deutlich mehr Dosen verfügbar sein. Zudem sollen langfristig neue Produktionskapazitäten in Dessau für Abhilfe bei Engpässen wegen der hohen Nachfrage sorgen. Aktuell würden mehr als 100 Millionen Dosen pro Monat produziert, hieß es auf der Bilanzkonferenz. Ab April sollen es dann 200 Millionen Dosen monatlich sein.

Die Verantwortlichen mehrerer Staaten, darunter Österreich, Deutschland und Frankreich, hatten allerdings wegen fehlender Studiendaten die Wirksamkeit des Corona-Impfstoffes bei Älteren angezweifelt und ihre Impfpläne entsprechend angepasst. Rückenwind in dieser Frage bekamen die Hersteller am Mittwoch jedoch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Sie bescheinigte dem Mittel eine gute Wirksamkeit in allen Altersgruppen.

In Südafrika wurde die Impfkampagne mit dem AstraZeneca-Vakzin wegen der geringen Wirksamkeit gegen die dort vorherrschende Variante B.1.351 vorübergehend ausgesetzt. Dort soll nun mit dem noch nicht zugelassenen Wirkstoff von Johnson & Johnson weitergemacht werden. AstraZeneca arbeite auf Hochtouren daran, die Impfungen auch gegen die Mutationen wirksam zu machen, so Dunoyer. Ein weiterer, derzeit noch in Studien getesteter Impfstoff erweise sich zudem vielversprechend gegen die Varianten aus Großbritannien und Südafrika.

Im vergangenen Jahr hatte AstraZeneca vor allem von neuen Medikamenten und Krebstherapien profitiert. Bei Blockbustern aus der Onkologie wie Tagrisso, Imfinzi und Lynparza verbuchte der Konzern hohe, prozentual zweistellige Wachstumsraten. Die noch relativ jungen Arzneien steuern inzwischen rund die Hälfte des Konzernumsatzes bei. Der Konzern habe einen „deutlichen Schritt nach vorne“ gemacht, sagte Konzernchef Soriot.

Konzernweit stiegen die Erlöse im vergangenen Jahr um neun Prozent auf rund 26,6 Milliarden Dollar (21,9 Mrd. Euro), im Schlussquartal lag das Wachstum mit elf Prozent noch etwas darüber. Das Ergebnis stieg noch deutlicher - verantwortlich waren unter anderem gesunkene Kosten für die Forschung und Entwicklung sowie niedrigere Ausgaben für die Verwaltung. Unter dem Strich entfiel auf die Aktionäre ein Gewinn von rund 3,2 Milliarden Dollar, ein Jahr zuvor waren es noch 1,3 Milliarden Dollar gewesen. Die Anleger erhalten wie im Vorjahr eine stabile Dividende von insgesamt 2,80 Dollar.

An seinem Zeitplan für die Alexion-Übernahme hält AstraZeneca fest, das Geschäft soll im dritten Quartal abgeschlossen sein. AstraZeneca hatte im vergangenen Dezember den Zukauf des US-Wettbewerbers Alexion für 39 Milliarden US-Dollar bekannt gegeben. Die Übernahme werde die Entwicklung des Konzerns wissenschaftlich und kommerziell weiter beschleunigen, sagte Soriot. Mit Alexion wollen die Briten unter anderem ihr Portfolio mit Arzneien gegen seltene Immunkrankheiten ausbauen.
 

 
© medinlive | 15.05.2021 | Link: https://app.medinlive.at/index.php/gesellschaft/pharmakonzern-astrazeneca-steigerte-2020-gewinn-deutlich