Corona-Impfung
Corona-Impfung

Hilfsorganisationen fordern von Regierung mehr Geld

Hilfsorganisationen fordern von der österreichischen Bundesregierung mehr Unterstützung für die Covid-Impfungen in ärmeren Ländern. „Wir sind erst sicher, wenn alle sicher sind“, betonte Annelies Vilim, Geschäftsführerin der AG Globale Verantwortung, dem Dachverband von 34 Organisationen aus den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit und Humanitäre Hilfe, am Donnerstag in einer Online-Pressekonferenz.

red/Agenturen

Konkret forderte Vilim von der Regierung die Bereitstellung von 200 Millionen Euro an bilateralen Mitteln, um Entwicklungsländer bei der Bekämpfung der Pandemie zu unterstützen. Dies entspreche den Kosten eines Tages Lockdown in Österreich, die zwischen 190 und 243 Millionen Euro liegen.

Die Epidemiologin Eva Schernhammer betonte, dass es wichtig sei, möglichst viele Menschen auch auf anderen Kontinenten zu impfen, um die Ausbreitung von Virusvarianten zu unterbinden. „Das kommt der ganzen Welt zugute.“ Die Leiterin der Abteilung für Epidemiologie der Medizinischen Universität Wien berichtete, dass mittlerweile weltweit 170 Millionen Menschen an Corona erkrankt, 3,5 Millionen verstorben und 1,7 Billionen Impfungen verabreicht worden seien.

Allerdings gibt es hier große Unterschiede: In den USA seien 40 Prozent der Bevölkerung voll geimpft, in Europa liege dieser Anteil bei fast 20 Prozent. In Südostasien seien erst fünf Prozent geimpft, in Afrika hätten 1,6 Prozent der Menschen die erste Impfdosis erhalten. Afrika habe zudem die höchste Mortalität: Während in Afrika die Hälfte der schwer an Covid erkrankten Menschen sterben, seien es weltweit 31 Prozent, sagte Schernhammer.

Marktpreise für Impfstoffe zu hoch

er Leiter für Internationale Zusammenarbeit des Österreichischen Roten Kreuzes, Walter Hajek, verwies auf das Covax-Impfprogramm, dessen Ziel noch lange nicht erreicht sei. Das Ziel sei, zwei Milliarden Impfdosen für Hochrisikogruppen und Menschen im Gesundheitssektor in Ländern mit geringeren und mittleren Einkommen zur Verfügung zu stellen. Denn die Marktpreise für Impfstoffe seien für diese Länder zu hoch und würden durch bilaterale Verträge zusätzlich in die Höhe getrieben. „Ohne Covax gäbe es keinen Impfstoff für Länder des Globalen Südens.“ Derzeit seien in den ärmsten 50 Ländern der Welt nur zwei Prozent der Impfstoffe verimpft worden.

Zudem beinhalte Covax einen „humanitären Puffer“, betonte Hajek: Fünf Prozent der Dosen würden für Covid-Akutausbrüche und für die Impfung von besonders schwer erreichbaren Menschen etwa in Konfliktregionen, wo es kein Gesundheitssystem gibt, durch Hilfsorganisationen zur Verfügung stehen. Das Rote Kreuz schätzt, dass 60 bis 80 Millionen Menschen in solchen Konfliktregionen leben. Hajek „empfahl“ der Bundesregierung, sich auf allen Ebenen für leistbare, wirksame und sichere Impfstoffe einzusetzen und seine Beiträge für Covax substanziell zu erhöhen. Außerdem solle Österreich Covax durch die Lieferung von nationalen Impfdosen unterstützen, wie dies etwa auch Frankreich, Spanien, Neuseeland, Großbritannien und die USA täten.

Auch Unterstützung bei Verteilung, Logistik etc. notwendig

Die Arbeit der Hilfsorganisationen sei sehr wichtig, weil es auch darum gehe, dass der Impfstoff von den Lagerhallen am Flughafen zu den Menschen komme, erläuterte Hajek. Es brauche Unterstützung bei der Verteilung, Logistik, Impfkampagne und Gesundheitsinfrastruktur. Auch wichtige Informationsarbeit werde von den Hilfsorganisationen geleistet.

Die Geschäftsführerin von Licht für die Welt Österreich, Sabine Prenn, sagte, dass die Verunsicherung besonders bei vulnerablen Gruppen und Menschen mit Behinderung sehr groß sei. Viele hätten Angst, sich impfen zu lassen. Licht in die Welt unterstütze bei der Informationsarbeit, etwa auch in Gebärdensprache. Prenn forderte die Bundesregierung auf, sich bei ihrer Hilfe im Ausland besonders für die Schwächsten einzusetzen. „Wenn wir es nicht schaffen, diese Pandemie weltweit zu besiegen, werden wir sie nicht besiegen können“, betonte Prenn.

 
© medinlive | 23.07.2021 | Link: https://app.medinlive.at/index.php/gesundheitspolitik/hilfsorganisationen-fordern-von-regierung-mehr-geld