Corona-Krise

Deutlich rückläufige Infektionszahl in Alters- und Pflegeheimen

In Österreichs Alters- und Pflegeheimen sind 2.426 Menschen an oder mit dem Coronavirus gestorben. Das sind 43 Prozent aller Covid-19-Todesfälle, die bis Mittwoch registriert wurden. Unterdessen wurden bereits 90 Prozent der Heime durchgeimpft. Bei den Über-85-Jährigen haben 15 Prozent zumindest die erste Immunisierung erhalten, hieß es am Donnerstag bei einer Pressekonferenz des Gesundheitsministeriums. Deutlich rückläufig ist die Zahl der Infizierten in Heimen.

red/Agenturen

Im November und Dezember sei die Situation in Alters- und Pflegeheimen besonders schwierig gewesen, sie ist „in den letzten Wochen ganz erfreulich besser geworden“, konstatierte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Im Dezember habe es noch knapp 4.900 infizierte Bewohner gegeben, nunmehr seien es 882.

Der erste Durchgang der Impfungen in den Heimen ist laut Anschober weitestgehend abgeschlossen, in jenen Heimen, in denen es „ein akutes Infektionsgeschehen“ gegeben hatte, mussten die Immunisierungen verschoben werden. Er rechnet bei den Heimbewohnern mit einer Impfquote von 80 bis 90 Prozent. Sie sei damit „viel höher, als wir bisher geglaubt haben“.

Laut Andrea E. Schmidt, Gesundheitsökonomin der Gesundheit Österreich, leben rund 74.000 Menschen in Alters- und Pflegeheimen. 800 der 900 Heime seien bereits durchgeimpft. Bisher wurden 54.933 Menschen über 80 Jahren in Österreich geimpft, davon sind 33.806 sogar über 85 Jahren. Somit wurden 15 Prozent der Bevölkerung über 85 Jahren mindestens einmal geimpft, sagte Schmidt. Bei den Über-85-Jährigen ist die Letalität bei einer Covid-19-Infektion am höchsten, sagte Schmidt. Bei den Männern beträgt sie sogar 30 Prozent.

Gesamtletalität in Heimen sinkt von 18,9 auf 3,6 Prozent

Die klare Botschaft sei: „Wer die Gesamtbevölkerung schützt, schützt auch die vulnerabelsten Gruppen“, sagte die Expertin. Mit den Impfungen würde die Gesamtletalität bei den Bewohnern in Alters- und Pflegeheimen, also der Anteil der Menschen, die an den Folgen einer Coronavirus-Infektion sterben, von 18,9 auf 3,6 Prozent zurückgehen. Die Gesamtletalität der Bevölkerung könnte durch die Impfungen von 1,9 auf 1,3 Prozent sinken, betonte die Ökonomin. Das würde einen Rückgang von 35 Prozent bedeuten.

Die Vorarlberger Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne) berichtete bei der Pressekonferenz über die Entwicklung in Alters- und Pflegeheimen in ihrem Bundesland. Seit dem Frühjahr wurden rund 500 der 2.400 Bewohner positiv getestet. 97 Menschen starben, 404 sind wieder genesen, betonte Wiesflecker. Mittlerweile gibt es laut der Landesrätin noch acht positive Bewohner und keine Cluster. Wiesflecker kritisierte, dass es in den Pflegeheimen zu wenig diplomiertes Personal gibt. „Wir brauchen zusätzliches, unterstützendes Personal“, sagte die Landesrätin. Außerdem fehlt es den Mitarbeitern an der ihnen zustehenden Anerkennung. Die Impfquote beim Personal liegt in Vorarlberg bei 53 Prozent.

Sandra Schober, Heimleitung Haus der Barmherzigkeit Graz, berichtete von der Entwicklung in ihrem Pflegeheim, das von der ersten Infektionswelle stark getroffen wurde. Nunmehr sei man gut vorbereitet und ausgerüstet. Die Durchführung der Impfungen bedeute „wahnsinnig viel Aufwand“. „Ich kann nur hoffen, dass mit der Impfung bald ein bisserl Normalität wiederkommt“, sagte Schober. Dass unter der ersten Gruppe der Geimpften auch Mitarbeiter aus Heimen und Gesundheitspersonal waren, habe bei vielen den Eindruck entstehen lassen, dass die Impfungen bei diesen Personen getestet werde, um zu sehen, ob sie funktionieren. Das erkläre auch die teilweise geringere Impfbereitschaft beim Personal.

 

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