Autismus-Spektrum

„Viele wurden während der Pandemie depressiv"

Rund 85.000 Menschen leben in Österreich mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS). Anlässlich des Welt-Autismus-Tags am 2. April berichtete der Betreuungsverein Nomaden am Donnerstag von einer „Überlastung der autismusspezifischen Förderung- und Beratungsangebote - besonders auch durch die Covid-Pandemie“. In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der Anrufe kontinuierlich und die Wartelisten werden immer länger, sagte Obfrau Johanna Kienzl bei einer Online-Pressekonferenz.

red/Agenturen

Die Coronakrise bedeute für die Betroffenen, die sich generell sehr schwertun mit Veränderungen und Unerwartetem, eine große Herausforderung, wurde bei dem Medientermin betont. „Viele Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung wurden während der Pandemie depressiv, haben sich vollständig zurückgezogen und benötigen noch mehr Hilfe als vorher, gleichzeitig aber sind psychosoziale Unterstützungsangebote meist völlig ausgebucht“, berichtete Christine Preißmann, Ärztin, Psychotherapeutin und selbst Asperger-Autistin.

„Für den ASS-Bereich steht hierzulande leider noch immer zu wenig Geld, Zeit und Personal zur Verfügung. Familien, die durch die Lebenssituation mit einem ASS-Angehörigen bereits belastet sind, können nicht noch zusätzlich finanziell belastet werden“, forderte Teresa Koller, operative Leiterin des Vereins Nomaden. „Die größten Probleme sind mit Sicherheit, dass Hilfseinrichtungen für Personen im Spektrum sehr dünn gesät sind und dass viele Therapien, Gespräche, Arztbesuche nur zum Teil oder nicht übernommen werden“, sagte auch Biko Pickart, Unternehmer und ebenfalls vom Asperger-Syndrom betroffen.

Autismus-Spektrum-Störungen sind komplexe neurologische Entwicklungsstörungen. Manche Betroffene benötigen kaum Hilfe, andere wiederum umfassende Unterstützung und Begleitung, um ihren Alltag zu bewältigen. Der Verein Nomaden bietet mobile Förderung und Beratung in Wien und Niederösterreich an.

Nomaden

 

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„Viele Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung wurden während der Pandemie depressiv, haben sich vollständig zurückgezogen" so die Ärztin Christine Preißmann.
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