Corona-Mutation

Sechs Fälle von Wiederansteckung mit Südafrika-Virus in Tirol

In Tirol ist es bei sechs Personen, die bereits eine Corona-Infektion hinter sich hatten, zu einer Wiederansteckung gekommen. Die Personen wurden zwischen Anfang Jänner und Mitte Februar ein zweites Mal positiv getestet, bei ihnen wurde die südafrikanische Mutation nachgewiesen, teilte das Land am Mittwoch mit. Die Erstinfektionen fanden im Zeitraum von Ende September bis Anfang November statt. Insgesamt bleibt die Corona-Lage in Tirol mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von 77,5  weiter stabil. 

red/Agenturen

„Nach aktuell vorliegenden Informationen war bzw. ist in allen sechs Fällen bei der Zweitinfektion ein milder Verlauf zu verzeichnen“, erklärte Elmar Rizzoli, Leiter des Corona-Einsatzstabes. Er appellierte an die Bevölkerung die Schutzmaßnahmen einzuhalten und sich nicht auf das Vorhandensein von Antikörpern zu verlassen.

Reinfektionen durch eine Mutation seien nach wie vor Gegenstand der derzeitigen Forschung – aktuelle Fachartikel würden von wissenschaftlichen Untersuchungen, in welchen Genesene sich durch die südafrikanische Mutation ebenso wie durch das derzeit generell vorherrschende Coronavirus ein zweites Mal anstecken können berichten. Der Verlauf einer Infektion bzw. Erkrankung in Zusammenhang mit einer Erst- und Zweitinfektion sei derzeit noch Gegenstand von Untersuchungen, hieß es.

343 Fälle der Südafrika-Mutation in Tirol

Indes stieg die Zahl der durch Voll- oder Teilsequenzierung bestätigten Südafrika-Fälle in Tirol auf nunmehr 343 an. Zudem gab es 192 Fälle, die eine PCR-Auffälligkeit aufweisen und somit als Verdachtsfälle eingestuft wurden. Neun Verdachtsfälle waren dazugekommen. Bei allen Fällen zusammen – also vollsequenziert, teilsequenziert und Verdachtsfälle – gab es einen Anteil von insgesamt 137 aktiv Positiven.

Rund 60 Prozent der bestätigten Fälle und der Verdachtsfälle entfielen auf den Bezirk Schwaz. 19 Prozent waren im Bezirk Kufstein und über zehn Prozent im Bezirk Innsbruck-Land zu verzeichnen. Fünf Prozent gingen auf die Landeshauptstadt Innsbruck, drei Prozent auf den Bezirk Reutte und etwas über einem Prozent jeweils auf die Bezirke Kitzbühel und Imst zurück. Unter einem Prozent der Fälle war im Bezirk Landeck zu verzeichnen. Der bisher einzige Verdachtsfall im Bezirk Lienz hat sich indes in den weiteren Sequenzierungen nicht bestätigt. Osttirol blieb damit der einzige Tiroler Bezirk ohne Südafrika-Mutation.

Zweitniedrigste Sieben-Tages-Inzidenz

Insgesamt bleibt die Corona-Lage in Tirol ungeachtet der Diskussion rund um die Ausbreitung der südafrikanischen Virusvariante weiter stabil. Mit 77,5 wies das Bundesland laut AGES hinter Vorarlberg (71,8) weiter die zweitniedrigste Sieben-Tages-Inzidenz aller Bundesländer auf. Mit Stand Mittwochnachmittag wurden zudem 85 Infizierte in Krankenhäusern behandelt - um vier weniger als am Tag zuvor. 23 davon benötigten intensivmedizinische Behandlung (plus eins).

Indes waren 923 Menschen mit dem Virus infiziert. Seit Dienstag kamen 117 positive Testergebnisse hinzu, gleichzeitig waren ebenso viele Menschen wieder genesen. DEine weitere Person verstarb mit oder an einer Covid-19-Erkrankung. 

Innsbrucker Stadtpolitiker fordern Lockerungen 

Aus Innsbrucks Stadtregierung werden nun Rufe nach weiteren Corona-Lockerungen laut. Während ÖVP-Vizebürgermeister Johannes Anzengruber auf eine Gastro-Öffnung drängte, ließ SPÖ-Stadträtin Elisabeth Mayr verlauten, mit einem Testkonzept wie jenem, das derzeit in Schulen angewendet wird, könnten Sport- und Kulturvereine wieder öffnen.

Mayr betonte die Bedeutung der Vereine für den Nachwuchs und den sozialen, gesundheitlichen und psychischen Aspekt der Zusammenkunft mit Gleichgesinnten. „Der Ausbruch aus der Corona-Routine wäre enorm wichtig –  für jede und jeden“, zeigte sich die Politikerin überzeugt. „Wenn den Vereinen die Erlaubnis zum Testen mit dem „Nasenbohrtest“ gegeben würde, könnten diese ihre Covid-Präventionskonzepte um das Testen vor Trainingsbeginn erweitern, meinte die SPÖ-Politikerin in einer Aussendung. Dass die Konzepte gut funktionierten, habe sich ja bereits bis November gezeigt.

Auch ÖVP-Politiker Anzengruber forderte weitere Lockerungen. Er hatte Mittwochvormittag ein Aufsperren der Gastronomie verlangt. Ferner wies er auf das umfassende Testangebot in Innsbruck hin: „Was für den Friseur oder die Skipiste gilt, muss auch für das Wirtshaus gelten“, so der ÖVP-Politiker, der darüber hinaus beklagte, dass die Auswirkungen des monatelangen Lockdowns nun auch in den öffentlichen Haushalten deutlich spürbar seien. So sei das Kommunalsteueraufkommen in der Landeshauptstadt im Jänner gegenüber dem Vorjahr um 15,9 Prozent zurückgegangen.

„Vor allem für die Gastronomie ist die Situation nicht mehr tragbar. Die Menschen möchten sich auch endlich wieder zu einem Kaffee oder Mittagessen treffen“, sagte Anzengruber in einer Aussendung. Die Betriebe hätten sehr viel Geld und Einsatz in die Hygiene- und Sicherheitskonzepte gesteckt, betonte der ÖVP-Politiker.

SPÖ kritisiert Landeshauptmann Platter

Tirols SPÖ-Vorsitzender Georg Dornauer vermisst LH Günther Platter (ÖVP) In Sachen Corona-Krisenmanagement. „Walser, Hörl, ja mittlerweile sogar schon der Ex-Hüttenwirt Anzengruber (Innsbrucks Vizebgm., Anm.) kommentieren die Performance ihrer eigenen Partei, nur der Landeshauptmann ist seit Tagen untergetaucht“, kritisierte Dornauer. Es brauche nun „Leadership“, denn die Menschen würden durch diese Art der Kommunikation verunsichert, warnte er in einer Aussendung.

„Die zahlreichen Auftritte namhafter Vertreter der VP-Tirol in den vergangenen Wochen sind bestenfalls unprofessionell und größtenteils an Peinlichkeit kaum zu überbieten“, meinte Dornauer. Dies schade der Reputation des Landes, deshalb dürfe Platter dies „nicht wortlos zur Kenntnis nehmen“ und sich stattdessen „nach dem Debakel gegen Wien in einen sinnlosen Streit mit Bayern“ verstricken.

Für Dornauer ist das Krisenmanagement insgesamt „mangelhaft und planlos“. Die Menschen würden nach wie vor nicht wissen, „wo und von wem sie die beiden Teilimpfungen erhalten werden“. Zudem würden auch die Unternehmen an der fehlenden Planbarkeit „verzweifeln“. „Auch hier herrscht völlige Ratlosigkeit innerhalb der Bundes- und Landesregierung“, stellte Dornauer fest.

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Tirols südafrikanisches Problem