Brasiliens Gesundheitsbehörde untersagt Import von Sputnik V

Brasiliens nationale Behörde für Gesundheitsüberwachung (Anvisa) hat sich gegen die Einfuhr des russischen Corona-Impfstoffes Sputnik V ausgesprochen. Es mangele an „konsistenten und zuverlässigen Daten", hieß es am späten Montagabend (Ortszeit) in einer Mitteilung. Anvisa-Direktor Alex Machado Campos betonte allerdings, der Beschluss sei nur eine Momentaufnahme.

red/Agenturen

Unzulänglichkeiten wurden laut der Mitteilung auf Grundlage der bislang auswertbaren Daten sowohl bei der Entwicklung als auch bei der Herstellung des Vektorimpfstoffes festgestellt. Dies schließe alle drei Phasen der klinischen Tests des Präparats ein. „Außerdem gibt es keine oder nur unzureichende Daten zur Qualitätskontrolle, Sicherheit und Wirksamkeit", schreibt die Behörde. Bislang hatten 14 brasilianische Bundesstaaten um eine Einfuhr von Sputnik V gebeten.

In Brasilien mit seinen rund 210 Millionen Einwohnern haben sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums mehr als 14 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert, rund 390 000 Patienten sind im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben.

Kremlsprecher Dmitri Peskow stellte Brasilien weitere Daten in Aussicht, sollten die bisherigen nicht genügen. „Es sollte hier keine Zweifel geben", sagte Peskow der Agentur Interfax zufolge. Im eigenen Land will Russland beim Immunisieren der Bevölkerung aufs Tempo drücken und bis Ende Mai 57 Millionen Dosen Impfstoff in Umlauf bringen. Im flächenmäßig größten Land der Welt sind bislang erst rund fünf Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Viele Russen zweifeln etwa an der Sicherheit von Sputnik V. Russlands Vize-Regierungschefin Tatjana Golikowa stellte am Dienstag eine Herdenimmunität bis September in Aussicht - zuvor war noch von Ende Juli die Rede gewesen.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte Anfang März ein Prüfverfahren für Sputnik V im Zuge einer sogenannten Rolling Review begonnen. Dabei werden Testergebnisse bereits geprüft, auch wenn noch nicht alle Daten vorliegen und noch kein Zulassungsantrag gestellt wurde. Sputnik ist nach Angaben aus Moskau bereits in 60 Ländern registriert. Auch Deutschland führt Gespräche über mögliche Lieferungen des Impfstoffs.

 
© medinlive | 30.07.2021 | Link: https://app.medinlive.at/index.php/gesundheitspolitik/brasiliens-gesundheitsbehoerde-untersagt-import-von-sputnik-v