Corona-Impfstoff
Corona-Impfstoff

EU-Behörde entscheidet über Zulassung für Kinder

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA wird voraussichtlich am Freitag über die Zulassung des Corona-Impfstoffs der Hersteller Biontech/Pfizer für Kinder ab zwölf Jahre entscheiden. Der zuständige Experten-Ausschuss werde am Freitag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkommen, teilte die EMA am Mittwoch mit. Anschließend wolle die Behörde das Ergebnis bekannt geben. Eine Zulassung gilt als wahrscheinlich. Weltärztepräsident Frank-Ulrich Montgomery sprach sich unterdessen gegen eine Corona-Impfung von Minderjährigen aus.

red/Agenturen

Der deutsche Hersteller Biontech und sein US-Partner Pfizer hatten die Erweiterung der Zulassung des Impfstoffes auch für 12-bis 15-Jährige beantragt. Bisher ist das Mittel nur für Menschen ab 16 Jahren in der EU zugelassen.

Empfehlung wohl auch in Österreich

Die Generaldirektorin für die öffentliche Gesundheit, Katharina Reich, geht davon aus, dass in Österreich der Impfstoff nach einer EMA-Zulassung auch vom Nationalen Impfgremium empfohlen wird. „Wir erwarten nicht, dass die Zulassung der EMA auf großen wissenschaftlichen Widerstreit stoßen wird“, so Reich im Ö1-„Mittagsjournal“. Das Thema sei bereits im Vorfeld in den verschiedenen Gremien und Netzwerken gut abgesprochen worden, weil es eben durchaus heikel sei.

Zudem hieß es am Mittwoch aus dem Gesundheitsministerium. „Jeder von der EMA zugelassene Impfstoff durchläuft ein präzises und verantwortungsvolles Prüfverfahren. Wenn ein Impfstoff von der EMA zugelassen wird, ist sichergestellt, dass es sich dabei um einen hocheffektiven, sicheren und ausgezeichneten Impfstoff handelt“, wurde auf APA-Anfrage betont. Letztendlich hätten sich „auch in den vergangenen Monaten die europäischen Empfehlungen durch die EMA stets als wegweisend und sicher erwiesen“.

Geimpft werden würde in Österreich aufgrund der Sommerferien zunächst außerhalb von Schulen, betonte Reich. Ab September würden dann in Absprache mit dem Bildungsministerium die Schulen mit einbezogen. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) hat bereits in der Vorwoche im Nationalrat zwei Möglichkeiten dafür in Aussicht gestellt - entweder könnten in größeren Schulen Impfstationen eingerichtet werden oder mobile Teams zum Einsatz kommen.

In den USA und Kanada darf das Mittel bereits bei Kindern angewendet werden. Nach Angaben der Hersteller beweisen Studien die sehr gute Wirksamkeit und Verträglichkeit des Präparats auch bei Kindern. Von den in der EU bisher zugelassenen vier Impfstoffen ist noch keines für Kinder zugelassen.

Weltärztepräsident gegen Empfehlung für Kinder

Unterdessen hat sich Weltärztepräsident Frank-Ulrich Montgomery am Mittwoch dagegen ausgesprochen, Minderjährigen eine Corona-Impfung zu empfehlen: „Gegenwärtig gibt es noch zu wenig Daten, die Aussagen über das Risiko der Corona-Impfung bei Kindern zulassen.“ Es sei aber bekannt, dass der Krankheitsverlauf bei Kindern deutlich geringer und weniger gefährlich sei als bei Erwachsenen oder Betagten.

Am Ende könne die Studienlage auch ergeben, dass „das Risiko der Impfung von Kindern größer ist als das der Erkrankung in dieser Altersgruppe“, meinte Montgomery. „Dann wird man sogar von der Impfung abraten müssen.“ Im Gegenzug müsse der Impfschutz in allen anderen Altersgruppen verbessert werden.

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, hält ein Impfangebot für Kinder und Jugendliche für richtig. „Das stärkste Argument, Zwölf- bis 15-Jährige zu impfen, ist einfach, dass sie auch selbst natürlich einen Schutz haben möchten“, sagte Buyx am Mittwoch. Auch bei Jugendlichen gebe es schwere Verläufe und das sogenannte Long-Covid-Syndrom.

 

 

 
© medinlive | 23.07.2021 | Link: https://app.medinlive.at/index.php/gesundheitspolitik/eu-behoerde-entscheidet-ueber-zulassung-fuer-kinder